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Zur Historie der Pfarrgemeinde St. Johannes Nepomuk

Die Ära Meny - Früchte aus dem Garten der Erinnerung

Pfarrer Wolfgang Meny, vor kurzem 90 Jahre alt geworden, blickt auf seine Zeit in St. Johannes Nepomuk von 1970 bis 1992 zurück.
 

22 Jahre lang prägte Wolfgang Meny das kirchliche Leben in Kehl: Von 1970 bis 1992 Pfarrer in St. Johannes Nepomuk, setzte er hier Meilensteine wie das Gemeindehaus, den Jugendkeller, die Kirchliche Sozialstation in der Kanzmattstraße (heute Diakonie-Sozialstation) sowie den Pfarrverband Kehl-Hanauerland. Seine offene, herzliche und tolerante Art machte ihn bei den Kehler Christen – nicht nur den katholischen – sehr beliebt, und bis heute halten manche Kontakt zu ihm. Am 3. Dezember 2019 feierte Pfarrer Meny in Karlsruhe seinen 90. Geburtstag – bei guter Gesundheit und in geistiger Frische.

Gerne erinnert sich Wolfgang Meny an seine Zeit zu Füßen von "Big Nep" – wie er "seinen" Kehler Kirchturm damals liebevoll nannte, der ihm bereits aus der Ferne immer einen tollen Anblick bot. "Eine Besonderheit Kehls lag natürlich in der Nähe zu Straßburg und den vielen französischen Mitbürgern", blickt der Priester bei unserem Gespräch in Karlsruhe zurück. "Und einmalig war der Pfarrverband: Wir fünf Pfarrer haben so herzlich und brüderlich zusammengearbeitet, dass es eine Freude war." 

Jeder der fünf Geistlichen – neben Wolfgang Meny waren dies Alban Meier (St. Maria), Werner Brock (Goldscheuer/Marlen), Klaus Zipf (Kork) und Günter Reinholdt (Honau) – hatte seinen Arbeitsschwerpunkt: vom Kontakt nach Frankreich über Frauengemeinschaften und Jugendarbeit bis zur Krankenhaus-Seelsorge. Zudem wurden die Gottesdienstpläne der Pfarreien so aufeinander abgestimmt, dass gegenseitige Vertretungen möglich waren. Unterstützung bekamen die Seelsorger von Pfarrverbands-Sekretärin Edith Tschöpe, die auch die Seniorenfreizeiten des Verbands organisierte und mit Pfarrer Meny leitete. "Aus heutiger Sicht war der Pfarrverband ein vorbereitender Schritt für die Seelsorgeeinheiten und hat deren Akzeptanz sicherlich gefördert", resümiert der Jubilar.

Regelmäßig tagte die "Hauptamtlichen-Arbeitsgemeinschaft" des Verbands, der etwa auch Jugendkeller-Leitung und Caritas angehörten. "Die Caritas hat sich sehr für die Flüchtlinge engagiert; da hatten wir auch mal einen Kampf mit Stadt und Polizei", erinnert sich Pfarrer Meny. "Mitten in der Nacht sind Polizisten in die Wohnungen von Flüchtlingen eingedrungen, die dort ganz ruhig gelebt haben, und wollten sie wegbringen in die Aufnahmestelle nach Karlsruhe. Der Caritas-Leiter hat sich aber dazwischengeschoben und klargemacht: 'Sie können die Flüchtlinge nach Karlsruhe bringen, wenn es sein muss – aber nicht nachts um drei!' Das war eine besonders schöne Geste."

Ebenfalls als herausragend ist dem Jubilar die Kehler Ökumene in Erinnerung: "Es herrschte schon damals ein sehr gutes Verhältnis zu den Protestanten, die Zusammenarbeit war eng. Jeden Mittwochmorgen haben wir mit den evangelischen Pfarrern im Marienhäusle gefrühstückt und uns über Aktuelles ausgetauscht – oft auch übers nächste Sonntags-Evangelium."

Bericht in der Kehler Zeitung 1970

Vermehrt über den Tellerrand blicken: Das war letztlich auch die Aufgabe gewesen, mit der Wolfgang Meny 1970 nach Kehl kam. "Regionaldekan Herbert Dewald hatte den Auftrag vom Ordinariat, in Kehl einen Pfarrverband aufzubauen. Er wollte aktivere Pfarreien, die sich vermehrt miteinander verbanden. So kam er auf mich zu und fragte mich, ob ich mir diese Aufbauarbeit vorstellen könnte." Pfarrer Meny, damals seit zehn Jahren in Worblingen bei Singen tätig, sagte Ja – und bereute es nicht.

Mit Kehl schloss sich für den in Wagenschwend (Odenwald) geborenen und in Karlsruhe aufgewachsenen Geistlichen auch ein Kreis – denn sein Interesse am Pfarrberuf hatte unter anderem ein Karlsruher Religionslehrer geweckt, der Verwandtschaft in Kehl hatte: der spätere Stadtdekan und Domkapitular Karl Fluck. "Kurz vor dem Abitur hat der Direktor uns dann gefragt, was wir werden wollen", erzählt Pfarrer Meny. "Und von 22 Schülern wollten acht Theologie studieren." Wolfgang Meny stammt aus einer kirchenaffinen Familie; sein Vater hatte den Katholischen Lehrerverein in Karlsruhe geleitet, er selbst war in der Jugendarbeit in St. Bonifatius aktiv, "und als die Überlegung anstand, was ich aus meinem Leben machen wollte, dachte ich mir eben, ich könne doch die Mannschaft der Kirche verstärken." 

So absolvierte er sein Theologiestudium in Freiburg – das er sich durch Ferienjobs finanzieren musste: ob als Dachdecker, Hafenarbeiter oder Betonierer auf dem Bau. "49 Pfennig in der Stunde haben wir verdient ... Das war schon damals erbärmlich wenig, aber ich war immer froh, etwas verdienen zu können", erinnert sich Wolfgang Meny, der als junger Mensch der Kriegs- und Nachkriegs-Ära das harte und entbehrungsreiche Leben zur Genüge kannte. 

1954 wurde er dann zum Priester geweiht, woran sich je drei Jahre in Karlsruhe und Mannheim anschlossen. Stationen nach Worblingen und Kehl waren Wertheim am Main (ab 1992) sowie – nach dem offiziellen Abschied in den Ruhestand 1999 – Öhningen-Wangen am Bodensee. Seit elf Jahren leben Pfarrer Meny und seine Haushälterin Hedwig Dieterle, die ihn seit Kehler Zeiten betreut, nun in Karlsruhe-Mühlburg. 

Pfr. Wolfgang Meny mit Haushälterin Hedwig Dieterle in Karlsruhe (Foto: A. Gehringer)

Im Gespräch verrät der Geistliche auch seine Meinung zu aktuellen Diskussionsthemen der Katholischen Kirche. So zum Zölibat: "Meine private Ansicht ist, dass es uns sehr guttäte, wenn wir ein paar gute junge Männer hätten, die verheiratet sind, aber doch als Priester arbeiten. Wenn in bestimmten Landstrichen nur alle drei, vier Wochen eine Eucharistiefeier stattfinden kann – das funktioniert nicht lang. Da muss man sich fragen: Was ist wichtiger – das Leben einer Gemeinde oder ein Gesetz, das auch nur tausend Jahre alt ist?" Bei der Zulassung geschiedener und wiederverheirateter Katholiken zur Kommunion habe er bereits zu Berufszeiten die Linie verfolgt, die Papst Franziskus vor einigen Jahren offiziell empfahl: "Einen Automatismus konnte es natürlich nicht geben, aber wir hatten schon früher viele Betroffene, die mit dem Pfarrer im persönlichen Einzelfall-Gespräch einen Weg gefunden haben, doch zur Kommunion gehen zu dürfen. Voraussetzung war natürlich, dass ihnen Glaube und Kommunion etwas bedeuteten." 

Kaum Chancen sieht Wolfgang Meny auf absehbare Zeit für die Priesterweihe von Frauen: "Das würde ich mal sehr weit zurückstellen. Man sollte da nur einen Schritt nach dem anderen machen." Sein Urteil zur Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche fällt zwiespältig aus: "Es gibt Bremser, die sich schwertun, Transparenz zuzulassen. Aber der Wille zur Aufarbeitung ist da. Wie überall ist es bei manchen Leuten schwierig, sie zur Einsicht zu bringen, die Dinge wirklich anzupacken."

Auch mit seinen 90 Lenzen hält Pfarrer Meny in Karlsruhe noch öfters Gottesdienste und hilft seelsorgerisch aus. Und noch immer fährt er Rad und Auto, auch mit Arbeit in Haus und Garten hält er sich fit. Wie er sein Leben heute betrachtet, erzählt er nachfolgend in eigenen Worten.

Alexander Gehringer

  

Bin ich nur "älter" – oder bin ich schon alt? - Gedanken über meinen "Ruhestand"

Wenn man die 90er-Marke überschritten hat, dann kann man sich getrost zu den Alten rechnen. Die Statistiker nennen solche Leute sogar "Hochbetagte". Das hindert mich aber nicht, dieses Alter als eine fruchtbare Lebensphase zu betrachten. Ich kann ehrlich und gelassen Ja sagen zum Alt-Sein. Das kann man, wenn man sich nicht nur gezwungen ins Alt-Sein einfügt, es nicht nur erleidet, sondern es bewusst annimmt als neue Herausforderung.

Ich fühle mich nicht auf dem Abstellgleis. Die pastorale Situation hier in Karlsruhe und Umgebung bringt es mit sich, dass ich für Gottesdienstvertretungen genügend oft angefragt werde und ich dann diese Gottesdienste ruhig vorbereiten kann, weil ich dafür die nötige Zeit habe. Ich bin zwar "i. R.", d. h. "im Ruhestand", aber doch "in Reichweite", "in Reserve" für Eucharistiefeiern, Krankenkommunionen, Versehgänge in den Kliniken, den Pflegeheimen ringsum.

"Ruhestand" ist ja eine irreführende Bezeichnung. Er ist kein Stillstand, man ist nicht zur Passivität verurteilt, im Gegenteil: Weil ich nicht mehr unter dem Diktat der Pflichten und Termine stehe, kann ich spontan Ja sagen zu dem, was mir Freude macht oder was einem Mitbruder hilft.

Ich habe jetzt auch Zeit, immer wieder vertrauensvoll hinüberzuschauen über den Jordan ins Gelobte Land, in das Gott uns hineinführen will. Dieses Hinüber- und Hinaufschauen ist, wie wenn ich im Urlaub hinausgetreten bin auf den Balkon meiner Ferienwohnung, wo ich hinaufschauen konnte zu den Gipfeln der Berge, in die Höhe, in die Weite, ins Licht. Von den 38 Neupriestern, die 1954 mit mir geweiht wurden, leben zurzeit nur noch sieben, alle schon mehr oder weniger hinfällig. Ich denke oft an meine verstorbenen Mitbrüder, die jetzt schauen dürfen, was sie geglaubt und verkündet haben. 

Ich lebe nicht nur "noch". Ich weiß, dass jeder neue Tag ein Geschenk Gottes ist, mit neuen Möglichkeiten und Erfahrungen, Begegnungen und Dingen, die ich dankbar empfangen darf. Jeder Tag ist es wert, bewusst gelebt zu werden. Ich bin gespannt, wie viele Gott mir noch schenken will.

Ich halte oft in Dankbarkeit Rückschau. Ich will danken für die Vergangenheit, wo ich vielen Menschen begegnen und mit ihnen zusammenarbeiten durfte in den verschiedenen Pfarreien, zu denen ich gesandt worden bin. Am längsten war ich in Kehl, nämlich 22 Jahre. Aber auch die anderen Pfarreien waren für meinen Lebensweg ganz wichtig. Vieles war mir nur möglich, weil meine Pfarrhaushälterin Fräulein Hedwig Dieterle seit über 43 Jahren mir unermüdlich zur Seite steht und, so hoffe ich, noch lange diese Aufgabe erfüllen kann. Dass ihr dies auch heute noch möglich ist, ist für mich ein Grund für besondere Dankbarkeit. Und so hoffen wir auf die unfassbar große Zukunft, die Gott für uns bereithält.

Ich bin nicht mehr so angefragt von den beruflichen Notwendigkeiten wie früher. Aber gefragt bin ich immer von Gott, ob es mir klar ist, dass ich jetzt immer deutlicher im "Advent" lebe, dass mit jedem vergangenen Tag der Rest meines Lebens wieder kleiner geworden ist, und ob ich diesen Rest der Zeit so nutze, dass er wieder zum Anfang der neuen Zeit, der Zeit und Ewigkeit Gottes, wird.
 

Wechselnde Pfade, Schatten und Licht –

alles ist Gnade, fürchte dich nicht!

(Alter Hausspruch aus dem Baltikum)

Pfarrer Wolfgang Meny