Home  |  Login  |  Impressum  |  Datenschutz  |  Sitemap
Ökumenischer Kehler Adventskalender 2020

23. Dezember  (Bettina Kretz, ev. Kirchengemeinde)

 

„Ich steh an deiner Krippen hier“

Gerrit van Honthorst: Die Anbetung der Hirten (1622)

„Ich steh an deiner Krippen hier“ wurde 1653 vom lutherischen Pfarrer Paul Gerhardt in den Nachwehen des 30-jährigen Krieges gedichtet. Die Melodie, wie wir sie heute im Evangelischen Gesangbuch und auch im Gotteslob finden, wird Johann Sebastian Bach zugeschrieben. Er soll sie 1736 als alternative Melodie zu einer Melodie Luthers komponiert haben; sie eignet sich besonders für den Solo-Gesang oder das Singen in der Hausandacht. Die Motive des Liedtextes - Teil von Bachs Weihnachtsoratorium - haben sich dabei nicht gewandelt:

Ich steh an deiner Krippen hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring und schenke dir, / was du mir hast gegeben. / Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, / Herz, Seel und Mut, nimm alles hin / und lass dir’s wohlgefallen.

Weihnachten privatissime! - eigentlich unvorstellbar, so noch nicht dagewesen und ein Jammer, nicht wahr? Ich steh‘ an der Weihnachtskrippe und fühle mich wie ein von der Herde und den anderen Hirten „abgehängter“ Hirte im Stall: voller Erwartung und zugleich wie verloren in der dunklen Nacht. Und doch mag einem das Herz aufgehen:

Ich sehe dich mit Freuden an / und kann mich nicht satt sehen; / und weil ich nun nichts weiter kann, / bleib ich anbetend stehen. / O dass mein Sinn ein Abgrund wär / und meine Seel ein weites Meer, / dass ich dich möchte fassen!

Der Choral mit Text und Melodie kann transportieren, was an diesem außerordentlichen Weihnachten 2020 so besonders ungreifbar wirkt: Gott kommt; er wird geboren, kommt in diese und meine Welt, auch wenn dieses Jahr alles anders ist. Nicht Gott ist anders, sondern er kommt in eine veränderte Welt. Gott kommt trotzdem. Gott sucht sich in diesem wie in jedem Jahr seine Lieblingskrippe: weich und warm, offen und bereit, die Fülle des Lebens aufzunehmen:

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, / mein Heiland, nicht versagen: / dass ich dich möge für und für / in, bei und an mir tragen. / So lass mich doch dein Kripplein sein; / komm, komm und lege bei mir ein / dich und all deine Freuden.

Er wird es uns nicht versagen, dass er kommt: Gott, mit allen seinen Freuden! Auch zu mir!