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Karwoche und Ostern 2023

Pfingstsonntag (28.05) - Gedanken zu Apg 2,1-11

In Deutschland gibt es ein Sprichwort, das lautet: Viele Köche verderben den Brei. Der eine gibt noch ein bisschen Salz dazu. Der andere meint: Jetzt noch einen Löffel Honig! Der dritte sagt: Brei ohne Knoblauch? Geht ja gar nicht! Wetten, dass der Brei ungenießbar wird!? Genauso ungenießbar wird die Kirche, wenn selbsternannte Architekten meinen, die Kirche sei das, was wir Menschen aus ihr machen. Hier noch ein kluges Buch! Dort noch ein neues Gremium! Und hier eine fabelhafte Denkschrift! Ungeniert basteln sie an der Kirche herum, um ihre Kanten zu glätten und ihr Erscheinungsbild akzeptabler für die Zeitgenossen zu machen. Menschen können im Hören auf Gott sehr wohl der Kirche dienen. Die Kirche hat zuletzt aber nur einen Baumeister. Der ist unsichtbar, nur mit feinsten Sensorien zu erspüren, aber hochaktiv. „Der Heilige Geist ist es, der die Kirche als ganze in der Wahrheit hält und sie immer tiefer in die Erkenntnis Gottes führt. Es ist der Heilige Geist, der in den Sakramenten wirkt und die Heilige Schrift für uns lebendig macht.“ (YOUCAT 119) Und darauf kommt es an. Als Verein mit hohen Idealen, als menschliche Gemeinschaft, als Gruppe, als Partei – überhaupt als soziologisches Gebilde ist die Kirche uninteressant. An Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Eine alte, ehrwürdige Mater Ecclesia. Für viele ungenießbar. War das von Anfang an so? Schwer zu vergleichen. Die Situation, in der unsere Kirche sich befindet, ist eigentlich nicht zu vergleichen mit der, in welcher die Jünger Jesu sich befinden. Sie ist so ganz anders heutzutage. Weniger hoffnungsvoll. Die Jünger haben sich zunächst zurückgezogen, zugegeben auch aus Angst vor den anderen, jenen anderen Glaubens. Und dennoch hatten sie sich als Erwartende eingeschlossen. Diese Erwartung haben viele unter uns aufgegeben. Etliche haben sich von Gemeinde und Kirche zurückgezogen, aber nicht als Erwartende, vielmehr hilflos, ohnmächtig, sprachlos, verletzt, demotiviert und kraftlos. „Was soll ich tun, wie soll ich reagieren, wenn ich mich vor den eigenen Nachbarn verteidigen muss, warum ich immer noch katholisch bin und dieser Kirche angehöre?“ Diese Frage eines älteren Gemeindemitgliedes hat mich in diesen Tagen erreicht. Sie verrät Hilflosigkeit, sie weist auf Beschämung hin. Ich bin mir sicher, dass diese Frau mit ihrer Frage nicht alleine dasteht, dass sie vielmehr für viele unter uns steht, die an unserer Kirche verzweifeln und leiden. Was soll ich tun? Zunächst gar nichts. Zunächst geht es darum, die Situation so anzunehmen, wie sie ist. Ja, es gibt diese dunkle Seite von Kirche. Es gibt diese Schattenseiten: Missbrauch, Strukturen, die eher menschenfeindlich sind, als dass sie das Leben eines Menschen fördern. Die dunkle Liste ist lang: Es gibt Intoleranz. Es gibt Arroganz. Es gibt Selbstüberhöhung. Ja, es gibt in dieser Kirche Versagen. Schade, dass wir zu selten oder gar nicht darüber offen gesprochen haben. Schuld und Sünde gibt es möglicherweise auch nicht mehr und nicht weniger als anderenorts. Aber gerade hier, in dieser Kirche, sollte es all dies nicht geben. Gibt es aber. Das verunsichert. Das ruft Scham hervor. Wir haben keinen Grund, die Dinge schönzureden, oder, noch schlimmer, zu rechtfertigen. Es ist, wie es ist und wie es (dummerweise) bleiben wird. – Denn es ist eine Kirche aus Menschen, die immerzu vor dem Hintergrund ihrer eigenen Persönlichkeiten Gutes tun oder auch nicht. Und die Frage kommt wieder: Was soll ich tun? Zunächst gar nichts. Vielmehr sollte ich in mich gehen und nachdenken. Mich erinnern. Es ist diese Erinnerung, die mich zu stärken vermag, neu zu orientieren, wo doch so vieles ohne Richtung zu sein scheint. Also erinnern Sie sich an Ihre guten Erfahrungen mit der Gemeinschaft der Gläubigen. Es gibt nicht nur diese eine Seite von Kirche, die wir am liebsten ausblenden möchten. Es gibt auch Lichtblicke. Erfahrungen, die uns sagen lassen: „Das war aber gut. Dafür bin ich dankbar. Das hat mir geholfen. Dazu stehe ich noch heute.“ Die Jünger damals vor 2000 Jahren stoßen Türen und Fenster auf. Sie gehen auf die Straße hinaus. Erzählen davon, was ihnen wichtig ist. Sie erzählen von Gott. Und jeder hört sie. Noch besser: Jeder versteht sie. Und viele schließen sich den Jüngern an. Sie lassen sich taufen. Brechen in Begeisterung aus für diesen neuen Weg, der mit Jesus von Nazareth begonnen hat. Was soll ich also tun? Was sollen wir als Gemeinde tun? Was sollen wir als Kirche tun? Unsere Türen aufstoßen und hinausgehen zu den Menschen. Zunächst absichtslos und nicht vereinnahmend. Vielmehr interessiert an einer Welt, die sich VOR der Kirchentür abspielt, und an Menschen, die sich davor aufhalten und die nicht weniger als wir selbst versuchen, ihr Leben zu bewältigen. Deren Fragen sich von den unsrigen nicht wesentlich unterscheiden. Als Gemeinde Christi müssen wir eine Sprache finden, die jeder und jede verstehen kann, die niemanden ausschließt, niemanden, der anders denkt, der anders fühlt, der anders empfindet. Zu lange haben wir nur Antworten in der Kirche gesucht. Die Kirche hat aber ganz wichtige Fragen für uns: Habe ich Freude an meinem Glauben? Bin ich ein begeisterter Christ oder Christin? Lebe ich diesen Glauben? Und wenn ja, wie? Spürt man mir die Begeisterung an? Und wenn ja, woran genau? Wir können in vielem dem System Kirche und seinen Vertretern die Schuld nicht absprechen, aber wir können und dürfen unsere ganz eigene Verantwortung auch nicht aus unseren Händen geben. Alles andere wäre nicht nur zu kurz und einfach gedacht und gehandelt. Das wäre auch fatal. Glauben teilen. Glauben leben. Glauben feiern. Räume öffnen für neue Chancen und Möglichkeiten, miteinander und auch ökumenisch Kirche zu sein. Das Weltfremde hinter sich lassen. Verbindendes suchen. Die Trennung überwinden. Alle miteinander. Darauf käme es an. Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack sagt in diesem Zusammenhang: „Die Handlungsmöglichkeiten der Kirchenspitze sind tatsächlich gering. Alles, was sie sagt, wird unter Verdacht gestellt. Heilung und Aussöhnung werden vermutlich nur möglich sein, wenn Menschen, denen der Glaube etwas bedeutet, von den guten Erfahrungen mit ihrer Kirche erzählen. Möglicherweise können nur die Gläubigen die Kirche aus ihrem Tief holen.“ Anders gesagt: Die Kirche wird nicht vom Bischof gerettet, sondern von den Gläubigen. Kann diese unsere Kirche wieder lebendig werden? Das weiß nur Gott. Ich aber will es hoffen mit all denen von Ihnen, die ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, die weiterhin an eine neue Gestalt von Gemeinde glauben möchten und auferstehen wollen in der Kraft des Heiligen Geistes zu dem, wozu Gott seine Kirche berufen hat. So will ich zum Schluss beten: „Geist, wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehen, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.“

Alois Balint
7. Ostersonntag (21.05) - Gedanken zu Joh 17,1-11

Am Ende der sogenannten ‚Abschiedsreden’ betet Jesus zum Vater. Schon der Anfang dieses Gebetes berührt uns. Wir wissen zwar, dass Jesus oft nächtelang gebetet hat, aber nur zweimal gewinnen wir Einblick in den Inhalt seines Betens: einmal in seinem Jubelruf (Mt.11;25ff) und nun hier am Beginn der Passion. Er beginnt mit einem Rückblick auf sein Lebenswerk, das er in dem Satz zusammenfasst: „Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan.“ Dabei ist für unser Verständnis von Bedeutung, zu wissen, dass in der biblischen Sprache der Name das Wesen der Person bezeichnet. Wer den Namen kennt, weiß um das Wesen des Namensträgers. „Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan!“ Denn die Offenbarung besteht ja in der Person Jesu, in der Totalität seiner Lebensleistungen, also in allem, was er sprach und tat, in seinen Gleichnis- und Bildworten, in seinen Seligpreisungen und in seinen Wundertaten, den ‚semeia’, den ‚Zeichen’, in denen die künftige Herrlichkeit aufgeleuchtet ist. Dann beginnt Jesus zu bitten – nicht für sich, sondern für die Seinen: „Bewahre sie in deinem Namen!“ Und sein Blick geht noch weiter auf alle, die auf ihr Wort hin zum Glauben kommen. Für sie erbittet er vor allem: „dass sie eins seien, so wie ich mit dir, Vater, eins bin und wie du mit mir eins bist, so sollen sie in Wahrheit eins sein!“ Und er fügt noch etwas ganz Entscheidendes hinzu: „damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast!“ Das Kriterium der christlichen Botschaft ist also vor allen Dingen die Einheit der Christen. Deshalb ist es um diese Botschaft schlecht bestellt, solange die Christenheit zerrissen und in Konfessionen und Denominationen aufgespalten ist. Wir können die Zerrissenheit nicht nur mit Schmerz zur Kenntnis nehmen, sondern müssen – bei aller Dankbarkeit für jede Annäherung – letztlich unsere Unzulänglichkeit erkennen, von uns aus wieder zur Einheit zu gelangen. Zu tief sitzen die Vorbehalte und die Eigeninteressen der Konfessionen. Wenn darum das Wunder der Wiedervereinigung geschehen soll, muss Gott selbst eingreifen. Und das ist auch im Gebet Jesu selbst erkennbar. Denn wo Jesus im dritten Teil des Hohepriesterlichen Gebetes ganz eindringlich von der Einheit der Seinen spricht, geschieht etwas Auffälliges. Da sagt Jesus nicht mehr wie bisher: „für sie bitte ich!“, sondern: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, dort bei mir seien, wo ich bin, damit sie die Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt seit Grundlegung der Welt!“ Er fordert die Herrlichkeit für die Seinen ein – und damit auch die Einheit der Seinen. Und dies nicht erst für das Jenseits, sondern für uns jetzt und heute. Und nun dürfen wir wissen, dass wir nicht allein auf uns selbst angewiesen sind. Wir sind zwar radikal gefordert, das Äußerste zu tun. ER lässt uns nicht allein. Er ist es, der Dieses einzigartige Werk vollendet. Weil er es aber durch unsere Hände und unseren Einsatz vollenden will, deshalb zieht er uns dorthin, wo er seit Ewigkeit am Herzen des Vaters ruht. Hier in diesem Gebet öffnet Jesus das tiefste Geheimnis seines Wirkens.

Josef Belényesi
Christi Himmelfahrt (18.05) - Gedanken zu Apg 1,1-11

„Wird alles wieder so wie es vorher war?“ So fragen die Apostel sinngemäß in der Apostelgeschichte, be­vor Jesus ihren Blicken endgültig entschwindet. Und wir träumen manchmal auch von früher, als angeblich „alles besser war“, und in unserer Phantasie verklären sich die frü­heren Stolpersteine zu Diamanten und über alles Dunkle liegt ein sanfter Schleier des Vergessens. Soll wirklich alles wieder so werden wie früher? Wäre es nicht besser, manches würde auch anders, wir würden aus den Erfahrungen lernen, auch aus den schmerzlichen? Wäre es nicht höchste Zeit, wir würden Mitmenschlichkeit höher schätzen als Profit und auch unseren Umgang mit der Natur, mit Pflanzen und Tieren nicht nur überdenken, sondern auch verändern, weil Katastrophen wie die Coronakrise et­was mit dem katastrophalen Missbrauch der Schöpfung in rücksichtloser Massentierhaltung und mit einer Schnäppchenjagd zu tun haben, die im wahrsten Sinne des Wortes und in doppelter Hinsicht »über Leichen gehen«? Es wäre die höchste Zeit auch Jesu Weg zu wagen. Oder mindestens ehrlicher zu versuchen. Sein Weg war es, Menschen zu sammeln, zusammen­zubringen aus Vereinzelung, herauszuholen aus den Schnecken­häusern privater Glückseligkeit, herunterzuholen von den Elfen­beintürmen abgehobener Eliten. Er hat um seinen Tisch die Schwachen und Gescheiterten, die Starrköpfigen und Gedemü­tigten, die Einfältigen und Neunmalklugen versammelt. Der Himmel Jesu war ein offener Himmel. Die Hoffnung Jesu war, dass die Menschen seine Offenheit verstehen und weiterleben, seine Solidarität mit den Mitmen­schen und seine Liebe zur ganzen Schöpfung. Es ist desillusionierend, wenn welche aus den eigenen Reihen diese nach vorne gerichtete Hoffnung Jesu nicht verstehen und die Rückkehr zum Alten wollen. Aber Jesus verurteilt diese Schwäche nicht, sondern verheißt die Kraft des Heiligen Geistes, der Mut macht, nicht in der Enge des Gewohnten zu bleiben. Christi Himmelfahrt ist das Fest, das uns ermutigt, nicht zu eng zu denken, sondern den Himmel für möglich zu halten. Was der heutige Festtag lehrt, ist, dass das Dasein Jesu nicht im Zurückträumen in nostalgische Seligkeit zu spüren ist, sondern im Weitergehen in seinen Spuren auf den offenen Himmel zu. Ich habe ein kompliziertes Wort gelernt:„Aufmerksamkeitsdefizitstörung.“ Vielleicht leiden wir darunter auch: Wir lassen uns schnell vom Negativen dominieren und vergessen das Darüberhinaus, den bleibenden Mehr-Wert. Den Mehr-Wert der Zusicherung, dass Gott die Zukunft ist. Das ist auch der Inhalt des Himmelfahrtfestes. Wer an diese Verheißung glaubt, ist in dieser Welt wirkmächtig. Da lernen Menschen die Sprache fremder Menschen verstehen, sie überwinden zwischenmenschliche Grenzen, um allen Völkern von Jesus Zeugnis zu geben. Solche Menschen sind das Gegenteil eines „Hans-Guck-in-die-Luft“: „Vor die eig’nen Füße dicht, ja, da sah der Bursche nicht!“ Das sind wir nicht! Sondern, wir sind Menschen, die ihre Kräfte und Möglichkeiten einsetzen, im Wissen, dass letztlich alles nur gelingen kann mit der „Kraft aus der Höhe.“  Nur so werden Himmel und Erde zusammenwachsen. Am heutigen Fest sagen wir: Jesus geht ein in Gottes Reich. Er geht uns voran dorthin, wo keine Angst und Sorge mehr Macht über uns Menschen haben wird und wo alles ein anderes Maß hat. Dort wird Gott die Traurigen zum Lachen bringen, den Armen alles schenken, und er wird unseren Hunger, unsere Sehnsucht für immer stillen. Jesu Himmelfahrt zeigt uns das Ziel, das Happy End, damit wir gelassen und froh – mit Vorfreude – hier und jetzt leben und feiern können.

Alois Balint
6. Ostersonntag (14.05) - Gedanken zu 1 Petr 3,15-18

Nicht nur den Lesern des ersten Petrusbriefes, sondern auch uns gilt die Aufforderung, Rechenschaft zu geben über unseren Glauben: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1Petr 3,15). Hier wird nicht gefragt, wie oft einer den Gottesdienst besucht hat, wieviel gespendet wurde, wie die Bilanz des Betens aussieht? Gefragt wird nach der Hoffnung, die einen Christen erfüllt. Christen sind von ihrem Glauben her Menschen der Hoffnung. Christen sind aber keine Träumer und Phantasten. Sie malen kein rosiges Bild von der Welt und ihren Zuständen. Sie übersehen die Schwierigkeiten und Probleme des Lebens nicht. Christen sind Realisten. Sie sehen die Welt wie sie ist – in ihrer Widersprüchlichkeit und Unvollkommenheit. Sie wissen, dass die Welt bedroht ist: das Böse scheint mächtiger zu sein als das Gute, Hass und Gewalt stärker als die Liebe, Leiden und Tod machtvoller als das Leben. Man könnte an der Welt und ihren Zuständen manchmal verzweifeln. Und dennoch: Christen sind keine Schwarzseher und Pessimisten. Wir sind überzeugt: Das Leben ist mehr als die Summe unserer Möglichkeiten. In der Welt ist eine Kraft wirksam, die nicht von dieser Welt ist. Der Geist Gottes, der alles durchdringt, der Beistand, von dem Jesus im heutigen Evangelium spricht. Wir und mit uns sind in Gottes Hand. Gott hat nicht das Versprechen gemacht, dass dem der an ihn glaubt auf Erden nichts Unangenehmes zustoßen wird. Der Glaube ist keine Lebensversicherung, die uns ein ruhiges und ungefährdetes Leben garantiert. Auch ein Christ kann ums Leben kommen, er kann um seine Ehre kommen; sein Lebenswerk kann zerbrechen, seine Liebe kann zerbrechen. Es kann uns aber nichts passieren, ohne dass Gott es wüsste. Der Herr hat nicht versprochen, die Last des Lebens von uns zu nehmen. Er gibt uns aber Kraft, diese Last zu tragen. Auch wir sind oft bedrückt, traurig und einsam. Wir erleben Misserfolge, Enttäuschungen wir stoßen an die Grenzen unserer Kräfte. Und dennoch: wir sollen nicht verzagen. Der Herr verlässt uns nicht, er vergisst uns nicht. Gott ist treu und wird uns zur rechten Zeit zu Hilfe kommen. Der große Theologe Heinrich Fries drückt seine Erfahrungen mit dem Glauben der Kirche so aus: „Es gibt keine bessere Antwort für unser Leben und Sterben als den Glauben an Jesus Christus.“Dass der christliche Glaube die große Kraft unseres Lebens ist, kann man aber nur erfahren, wenn man sich auf diesen Glauben einlässt und versucht, sein Leben nach ihm auszurichten. Sicherlich schafft unser christlicher Glaube nicht alle Probleme aus der Welt, er löst nicht jedes Rätsel dieses Lebens, beantwortet nicht jede Frage, die wir stellen. Unser Glaube schenkt uns aber so viel Licht als nötig, um die Dunkelheiten dieses Lebens und dieser Welt ertragen zu können. Wenn ich in einem dunklen Raum eine kleine Kerze anzünde, dann wird damit die Dunkelheit nicht einfach beseitigt, sie wird aber erträglicher. Ähnlich ist es mit unserem christlichen Glauben. Er macht die Dunkelheiten des Lebens erträglicher, er hilft uns mit den Problemen des Lebens fertig zu werden, er macht unser Leben sinnvoll und menschenwürdig. Der Glaube schenkt uns Hoffnung und Zuversicht, die wir brauchen, um das Leben wagen zu können. Gehen wir den Weg, den Jesus uns zeigt. Es ist der Weg zu unserem eigenen Glück. Bei uns wird heute der Muttertag begangen. Kinder, junge wie erwachsene, bemühen sich darum, ihrer Mutter Dank zu sagen und ihr so Freude zu machen. Mütter verdienen diesen Dank. Denn sie haben uns geboren, erzogen, gefördert und auf den Weg gebracht. Es steht uns als Kinder gut an, diese selbstverständlich erfahrenen Wohltaten einmal ins Bewusstsein zu heben und ins Wort zu bringen. Denn mit vielen Anstrengungen und Opfer waren und sind die Zuwendungen der Mütter verbunden. Für diese ihre Liebe danken wir heute unseren Müttern. Dazu kommt noch etwas Entscheidendes, was einen Muttertag überhaupt rechtfertigt: In der Regel steht die Mutter zu ihrem Sohn, zu ihrer Tochter, auch dann noch, wenn alle Welt sie in die Ecke treiben wollen und ablehnen. Die Mutter ist deshalb für sehr viele jener Mensch, auf den sie sich absolut verlassen können, selbst dann noch, wenn sie schuldig geworden sind. Dies zu bedenken und für diese Tatsache zu danken, ist der heutige Tag eine gute Gelegenheit; denn was man fühlt und als Wirklichkeit erkennt, das muss auch gelegentlich ins Wort gebracht werden, da es ansonsten verblasst und dem anderen nicht mehr gegenwärtig ist. Katholiken denken im Maimonat in besonderer Weise auch an Maria, die Mutter Jesu, die wir auch als unsere große Fürsprecherin und himmlische Mutter verehren. Indem wir Maria ehren, preisen wir Gott, der so Großes an Maria getan. Indem wir auf Maria schauen, nehmen wir sie uns zum Vorbild, die als Magd des Herrn in allem Gottes Willen erfüllt hat. Wir bleiben bei Maria nicht stehen, sondern lassen uns von ihr zu ihrem Sohne, zu Jesus Christus führen, wie es der zentrale Grundsatz katholischer Marienverehrung ausdrückt: „Durch Maria zu Jesus!“  Maria ist und bleibt eine von uns und als solche will sie uns helfen auf dem Weg durch diese Zeit. 

Karl Zirmer
5. Ostersonntag (07.05) - Gedanken zu 1 Petr 2,4-9

Ohne Steine wäre unser Leben kaum vorstellbar. Ohne Steine hätten wir zwar Feldwege, aber keine gepflasterten Straßen, Autobahnen und Gehsteige. Ohne Steine hätten wir zwar Lehmhütten und Zelte, aber keine Häuser aus Ziegelsteinen, die unseren Wohnungen Wärme und Behaglichkeit geben, desgleichen der Kälte, dem Unwetter und der Hitze trotzen. Steine lassen sich einerseits zu Kirchen und Altären, zu Kreuzwegen und Statuen formen; andererseits können sie zur Gefahr werden und zerstören, Angst hervorrufen und Unheil anrichten. Daher können Steine schön sein und faszinieren, aber sie können uns auch zum Verhängnis werden. Ein rauer und kalter Stein kann sich allerdings in unserer Hand erwärmen. Die zweite Lesung des heutigen Sonntages spricht bildlich über einen besonderen und wichtigen Stein, den wichtigstenStein überhaupt. Über ihn wird gesagt, dass er als Eck- bzw. Schlussstein eine zusammenhaltende Funktion erfüllt. Und dieser unentbehrliche Stein ist kein anderer als Christus. Ihn hat uns Gott geschenkt als Beweis seiner Liebe. Dennoch ist Jesus vielen zum Stein des Anstoßes geworden. Er passt nicht mehr in ihre Konstruktion. Das war schon zu Jesu Lebzeiten so: Seine Gegner stießen sich an seinen Worten und Taten: an seinen Krankenheilungen ebenso wie an seinem Umgang mit Dirnen, Samaritern und Zöllnern. Nicht wenige stießen sich überhaupt an seinem Wesen: an seinem Beruf als Zimmermann, an seiner Liebe zu den Ausgestoßenen, an seinem Verständnis für die Sünder. Und das ist heute nicht anders: Vielen unserer Mitmenschen liegt Jesus als Stolperstein gefährlich im Wege. Deshalb wollen sie anders bauen, und zwar ohne den bewährten Eckstein. Dieser müsse endlich durch einen neuen ersetzt werden, durch einen, der besser in das Gefüge hineinpasst – fordern sie. Dessen ungeachtet wird uns die Ehre zuteil, auserwählte Mitglieder jener Gemeinschaft zu sein, deren Haupt und Schlussstein Christus ist: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“, heißt es im Petrusbrief. Diese beglückende Zusage ist jedoch mit dem Auftrag verbunden, als lebendige Steine die Heilstaten Gottes und seine Barmherzigkeit den Menschen nahezubringen. Sind unser Glaube und unser Lebenszeugnis stark genug, Gottes Liebe anderen erfahrbar und erstrebenswert zu machen, können wir mitunter ruhigen Gewissens sogar in Kauf nehmen, dass man über uns stolpert. Es wäre wohl ein heilsames Stolpern.

Anton-Joseph Ilk
4. Ostersonntag (30.04) - Gedanken zu Joh 10, 1-10

Märchen sind bekanntlich nicht nur Unterhaltung für Kinder. Sie enthalten Wahrheiten, die auch den Erwachsenen gelten. Das Märchen von Ali Baba und den 40 Räuber eignet sich gut als Beispiel dafür und auch als Einstieg zum Thema des heutigen Sonntagsevangeliums. Es erzählt davon, wie der arme Holzfäller Ali Baba zu großem Reichtum kommt. Er beobachtet nämlich, wie vierzig schwerbewaffnete Räuber ihre Beute in ihr Versteck bringen. Der Räuberhauptmann tritt vor eine verborgene Tür, die in einen Felsen eingelassen ist, und spricht die Worte: „Sesam, öffne dich!“ Auf dieses Zauberwort hin springt die Tür auf, und die Räuber verschwinden in der Höhle. Ali Baba hat gut aufgepasst. Als die Räuber nach einer Weile wieder fortziehen, schleicht er sich an die Felsentür und spricht ebenfalls die Zauberworte: „Sesam, öffne dich!“ Und siehe da: Die Tür geht auf und Ali Baba betritt die Räuberhöhle, wo er ungeheure Schätze findet. Er packt ein, was er tragen kann, und eilt nach Hause. Von nun an kommt er öfter zur Höhle und wird ein reicher Mann. Das Märchen erzählt weiter, wie Ali Baba noch manches Abenteuer mit den Räubern bestehen muss, doch am Ende bleibt er der Sieger. Die Tür im Felsen mit dem Zauberwort: „Sesam, öffne dich!“ hat ihm Glück gebracht für sein ganzes Leben. Auch wir suchen oft nach Türen in unserem Leben. Manchmal sind alle Türen, an denen wir anklopfen, verschlossen; manchmal müssen wir an vielen Türen vorbeilaufen und auf die Schilder achten, bis wir die Tür finden, die wir suchen. Jesus greift im heutigen Evangelium dieses Bildwort von der Tür auf und sagt von sich das schöne Wort: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“. Ich bin die Tür. Ihr braucht nicht länger zu suchen. Ihr müsst keine Zauberworte verwenden. Kommt einfach zu mir. Ich bin wie eine Tür für euch, eine Tür die euch den Weg zur Wahrheit und zum Glück zeigt. Größere Schätze als Ali Baba werdet ihr finden, wenn ihr durch meine Tür hindurchgeht. Das Leben selbst werdet ihr finden, die Fülle des Lebens, die nur ich euch bringen kann. Steht nicht länger vor falschen Türen. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. Jesus ist die Tür zum Leben, d. h. er gibt Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, er stillt unsere Sehnsucht nach einem glücklichen und erfüllten Leben. Mit dem Psalmisten beten wir: „Er stillt mein Verlangen...“(Psalm 23). Das wahre Glück, die wahre Freude findet nur wer bereit ist, den Spuren Jesu zu folgen, auf seine Worte zu hören, seine Werke zu tun. Im Laufe der Geschichte der Menschheit hat es viele Glückspropheten gegeben. Die meisten haben sich als „Räuber und Diebe“ erwiesen, die ihr Versprechen, den Menschen das ersehnte Glück zu bringen, nicht halten konnten. Auch Marx und Lenin versprachen das Paradies auf Erden. Viele Jahrzehnte hindurch versuchte man in Osteuropa dieses Paradies nach den Rezepten der marxistischen Ideologie zu errichten. Die Ergebnisse sind bekannt. Keiner mochte ein solches Paradies. Man hat den Menschen das Leben fast zur Hölle gemacht und es mussten Jahrzehnte vergehen, bis auch die Trümmer in den Seelen weggeräumt waren, die der Kommunismus sowjetischer Prägung hinterlassen hatte. Kein Wunder, dass in den osteuropäischen Staaten auch heute nur wenige von den Visionen Putins begeistert sind. Aber es gibt auch noch andere Glückspropheten, die nicht minder gefährlich sind und viel verlockender. Ich meine die Glückspropheten unserer Wohlstandsgesellschaft. Auch sie gaukeln eine Art Paradies vor. Sie wollen uns weiß machen, dass der Wohlstand, das Geld, der Konsum, der Genuss des Lebens genügen, um glücklich zu machen.  Die Jahre der Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben auch ihre Visionen immer deutlicher wie Seifenblasen zerplatzen lassen. Gewiss hat jeder Mensch das Recht, sich um die Verbesserung seiner Lebensbedingungen zu bemühen, sein Leben leichter, schöner, menschenwürdiger und sicherer zu gestalten. Aber eines dürfen wir nie vergessen: Materielle Güter allein reichen nicht aus, um die Sehnsucht tief im Herzen des Menschen zu erfüllen. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist der einzige, der seine Versprechen hält, er ist die Tür zum Glücklichsein; die Befolgung seiner Lehre ist der Schlüssel zum frohmachenden, menschenwürdigen, ja, sogar zum ewigen Leben. Die Felsentür der 40 Räuber war gut versteckt. Von außen konnte man sie nicht entdecken. Nur durch einen Zufall hatte Ali Baba sie gefunden. Auch an Jesus gehen viele Menschen vorbei. Sie merken nicht, dass er die Tür zum Leben ist. Wir sollten unseren Blick schärfen, damit wir nicht achtlos an der Tür zum Leben vorbeigehen. Die Bibel erzählt uns von dieser Tür und hilft uns sie zu finden. In einer Welt, in der an Gott zu glauben nicht mehr selbstverständlich ist, braucht Er Menschen, die Sein Wort hören und es befolgen und Er braucht Menschen, die ihre Erfahrungen mit ihm überzeugend und begeisternd verkünden. Er braucht Menschen, die „Werbung“ machen, die andere einladen, mitzugehen durch die Tür, die Jesus ist. Er braucht Menschen, die für die Ängstlichen und Mutlosen, für die Suchenden und Fragenden das „Leben in Fülle“ erfahrbar machen. Gott braucht Menschen wie Du und ich! 

Adam Possmayer
3. Ostersonntag (23.04) - Gedanken zu Joh 21,1-14

Wer von uns kennt das nicht: wir mühen uns ab - und das Glück denkt überhaupt nicht daran, sich bei uns mal wieder sehen zu lassen? Wir schaffen bis zum Umfallen, investieren Zeit, Kraft, Mühe und Liebe in Men­schen und Aufgaben. Irgendwann dann die Feststellung: Es lohnt sich nicht. Es bringt nichts. Alles ist umsonst und vergeblich. Solche Erfahrungen gehören eben zum Menschenleben. Solche Erfahrung blieben der Kirche von Anfang an auch nicht erspart. Den Jünger am See Genezareth, der Kirche über Jahrhunderte ihrer Geschichte hinweg und uns, der Kirche von heute, versprach Jesus auch keinen Weg mit Rosen gebettet. Wer sich noch erinnern kann, eine Woche lang haben die deutschen Bischöfe beim letzten Ad-limina-Besuch (im Herbst/Okt/Nov. 2022) ihren hochrangigen Gesprächs­partnern im Vatikan klarmachen können, wie sie die Lage der Kirche in Deutsch­land sehen. Sie konnten erläutern, wel­che Reformen der Synodale Weg für not­wendig hält. Selbst das Gespräch der Bischöfe mit Papst Franziskus hat mehr als doppelt so lange gedauert wie üblich und ursprüng­lich geplant. So, oder ähnlich, lauteten die Pressemeldungen, die dann berichtete, als wäre es ein Teil des Berichtes vom Fischfang aus dem heutigen Evangelium. Wir mühen uns ab, doch das Glück denkt überhaupt nicht daran, sich bei uns mal wieder sehen zu lassen, sondern: der Vatikan hat den deutschen Bischöfen bei ihrem Ad-limina-Besuch Grenzen aufgezeigt. Alle vorhergehende Mühe umsonst? Positiv klingt der Satz in den Berichten: “aber er hat den Synodalen Weg nicht gestoppt.“ Das klingt doch, wie es nun mit dem Reformprozess weitergeht und was er bringen kann, bleibt vorerst offen. So, oder ähnlich die Pressemeldungen. Fische spielten im Leben Jesu eine große Rolle und Petrus, wie sein Bruder und viele andere, lebten von den Erfolgen des Fischfangs. Doch in der Nacht, als sie, die sieben die im Boot waren, und die anderen Jünger, vor lauter Enttäuschung nach dem Tod Jesus aus Jerusalem Geflohenen, „fingen sie Nichts“. Das klang alles wie ein großer Misserfolg. Zu Menschenfischern sollten die Jünger auf den Ruf Jesus werden. Jetzt, nach dem Evangelium, nicht mal ein kleiner Erfolg in dem Beruf in dem sie sich gut auskannten. Denn sie verstehen sich auf den Fischfang, auf die Auswahl der Fische, auf deren Zubereitung. Doch jetzt alle Mühe, alles bekannte Wissen umsonst. Die Netzte sind leer. Am Morgen, der Zeit als die Fischer nach getaner Arbeit ans Ufer zurückkehrten, stand da Jesus und sagt zu den Fischern: „Werft eure Netze am hellen Mor­gen und auf der rechten Seite aus“.  Das bedeutet: Jesus bestärkt seine Jünger in ihrem Dienst und sagt konkret: Wählt eine neue Methode, wenn die alte nicht mehr - oder so funktioniert. Alles andere überlässt er ihnen, damit ein jeder von ihnen vom überreiche Fang seine eigene Geschichte erzählen kann, - und davon, wer dort am Ufer stand. Schon die alte Tradition erzählt, dass der Fisch als ein unauffälliges Erken­nungszeichen der Christen verwendet wurde. Zudem enthält das grie­chische Wort für Fisch, „ichthys“, das kürzeste christliche Glaubens­bekenntnis: „Jesus, der Gesalbte, ist Gottes Sohn und unser Heiland. “ (vgl. Joh 21,1-14) Auch die Zahl 153 Fische, die von Petrus und seinen Gefährten an Land gezogen wurden, ist eher eine Symbolzahl. Petrus hat bestimmt nicht alle auf der Schnelle zählen können, um beim nächsten Fischerstammtisch damit angeben zu können. Der Evangelist Johannes wählte für diesen ungewöhnlichen Fischfang eine Zahl, deren tiefere Bedeutung den Lesern und Hörern im zweiten Jahrhundert be­kannt gewesen sein muss. Diese Zahl hat den Menschen im Laufe der Kirchengeschichte auch später noch Anlass zu Inter­pretationen gegeben. Eine Auslegung - die dem hl. Hierony­mus (um 420) zugeschrieben wird - sagt, 153 sei die Zahl der zurzeit Jesu bekannten Fischarten gewesen. Es mag andere plausiblere Deutungen geben. Diese Deutung gefällt mir aber besonders gut und könnte die Zahl der Völker aus der damalig bekannten Welt symbolisieren. In der Seelsorge war und ist der Dienst, als „Menschenfischer“ tätig zu sein, nicht einfach. Menschen für das Reich Gottes, hat mit viel lichten aber oft noch mit mehr dunklen Seiten der Welt zu tun. Die Extremen, die Welt Schwarz oder Weiß zu färben, waren auch nie gute Methoden, die Welt besser zu machen. Alle Krieg, Katastrohen zu beseitigen, alle Probleme zu lösen, die Menschheit von Krankheit und dem Tod zu erlösen, stand zu keiner Zeit in der Macht der Menschen. Ein solcher wunderbare Fischfang ist mit vielen Symbolgeschichten zu deuten und als „Wunderbaren Fischfang“ zu betrachten, doch hinter all diesen Deutungen dürfen wir den nicht übersehen der diesen Fischfang ausgelöst hat. Er ist der Auferstandene der am Ufer stand, zum Essen, zum Mahl – ähnlich wie bei der Emmaus Geschichte – einlädt, es ist also der Herr selbst, der sich dort zu erkennen gibt. Wie könnten man die Erfahrung der Jünger von diesem Ereignis auf eine Kurzformel bringen? Vielleicht Vertrauen gegen Fachwissen? Nichts weniger ist für uns von Bedeutung als eine Haltung des Hinschauens, des Hinhörens und der Bereitschaft Empfangenes, anzunehmen. Bei aller Betriebsamkeit, bei allen Synodalen Wegen, bei allen Struktur und sonstigen Debatten, müssen wir uns auch noch fragen lassen, was wir vom Herrn selber zu lernen gedenken, damit der „Fischfang“ gelingt. Oft sind es eher die kleinen Dinge im Leben die uns und der Kirche geschenkt werden und die wir übersehen, bis uns endlich aufleuchtet: es ist der Auferstandene Herr selbst der am Ufer steht, der uns sagt, welche  Gaben und Talente, wie und wo wir die einsetzen sollen, damit der „Menschenfang“ geling. Da sind viele Frauen und Männer, Junge und Alte, Kinder und Greise durch die wir spüren, die uns sagen: Jesus steht am Ufer - er wartet auf uns. Jesus steht am Ufer, es lohnt sich ihm zu vertrauen. Lernen wir vom Herrn selbst, nehmen wir dankbar an, was er uns reichlich zukommen lässt. Es ist nicht wenig. Lassen wir es vielfältig, reich und mit Freude leben und für die Seelsorge zu Segen werden.

Paul Kollar
2. Ostersonntag (16.04) - Gedanken zu Joh 10,19-31

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich Osterlieder aus unserem Gotteslob singe, dann schaue ich auch ganz gerne nach der Jahreszahl, wann so ein Lied entstanden ist. Das sagt mir ein bisschen etwas über die Menschen, die vor mir geglaubt haben und in welche Bilder und Gedanken sie ihren Glauben gekleidet haben. Und da hat jemand diese Osterlieder mal etwas genauer angeschaut und mit Osterliedern in aller Welt verglichen und am Ende gemeint: Die Deutschen waren eigentlich immer ein bisschen vorsichtig oder langsam mit ihrem Halleluja. Die großen Komponisten haben sich fast alle viel leichter getan, die Leidensgeschichte zu vertonen, als in den Osterjubel einzustimmen. Man könnte auf die Idee kommen, viele von uns gehörten mehr zu den Skeptikern, vielleicht auch zu den Zweiflern. Auf jeden Fall zu denen, die nicht leichtgläubig sind. Ich denke, da passt der Thomas ganz gut zu uns, von dem wir heute im Evangelium gehört haben. Thomas ist wie ein postmoderner Protagonist der Vernunft. Obwohl: wer in göttlichen Dingen nichts glaubt, als was er mit seinem Verstand und Intelligenz ausmessen kann, der verkleinert die Idee von Gott. Ich denke, grundsätzlich müssen wir uns nicht fragen, ob der Zweifel zu unserem Leben gehört. Das erfahren wir jeden Tag mit großer Selbstverständlichkeit. Vom berühmten Philosophen und Mathematiker René Descartes stammen die vielzitierten Worte: dubito, ergo cogito; cogito, ergo sum (ich zweifle, also denke ich ; ich denke, also bin ich) das war die wichtigste Aussage der Verklärungsphilosophie im 17. Jahrhundert. Aber oft genug wird dann gefragt, ob der Zweifel zum Glauben gehört. In einer Kirchenzeitung las ich, wie Päpste mit dem Zweifel umgehen. Von Papst Franziskus erleben wir, dass er bei ungelösten Fragen auch einfach und bescheiden mal sagt: Das weiß ich nicht! – Aber er denkt sicher weiter darüber nach. Von Papst Franziskus stammt auch das Wort: „Ein Christ, dessen Glaube noch nie in eine Krise geraten ist, dem fehlt etwas.“ Der Zweifel gehört durchaus zu unserem Glauben. Da bleibt eine Spannung, die wir nicht aufheben sollten, indem wir den Zweifel zum Glauben machen. Natürlich, habe auch ich als Priester Zweifel, die schaue ich mir aber gut an und arbeite daran; aber ich entscheide mich fast jedes Mal für den Glauben. Thomas ist für uns heute der Mensch, an dem wir sehen, wie jemand zum Glauben kommt, wie er mit dem Zweifel umgeht, mit welcher Hartnäckigkeit er Überzeugung gewinnen will. Wir erleben aber auch, wie andere mit dem Zweifler umgehen. Er ist für sie, für die Gemeinde, nicht der Außenseiter, der stur und unbelehrbar ist. In den Glauben an den auferstandenen Christus kann keiner hineingeredet werden. Da kommen Gnade und Erleuchtung von Christus selbst. Wie das geschehen kann, habe ich von einem indischen Priester erfahren. Er ist ein Thomas-Christ aus Madras (heutiges Chennay in Südindien). Die Thomas-Christen sagen mit Stolz, dass sie den Glauben an Christus von diesem Apostel empfangen haben (viel früher als die meisten Stämme aus Europa). Der indische Priester sagte zum heutigen Evangelium: Jesus kämpft um seine Jünger. Für Thomas kommt Jesus zum zweiten Mal. Thomas ist ihm wichtig, weil er ihn liebt. Jesus kämpft um jede Jüngerin und jeden Jünger. Und so tut er das sicher auch mit uns. Ich bin dem Apostel Thomas sehr dankbar. Ich habe gehört, dass im südlichen Tiefland des Niederrheins, der Apostel Thomas im Volksmund „der faule Thomas“ genannt wird. Das ist nicht gerade ein Ehrentitel für einen Apostel. Wir erleben als Katholiken zweifellos stürmische Zeiten. Papst Franziskus hat aber erst kürzlich bei seiner Reise nach Kanada daran erinnert, dass die raue See immer nur die Oberfläche des Ozeans beschreibt. In der Tiefe aber bleibt es ruhig. Darum geht es auch an Ostern. Wir dürfen uns die Tiefe unseres Glaubens nicht nur nostalgisch vergegenwärtigen. Wir müssen uns immer wieder neu um diese Tiefe bemühen. – Die alte rheinische Redensart des „faulen Thomas“ mahnt zu dieser Bemühung. Dabei helfe die Gnade der geistlichen Auferstehung, damit wir auf die Fürsprache des Hl. Thomas mit ihm und mit Überzeugung sagen dürfen: Mein Herr und mein Gott!

Alois Balint
Ostermontag (09.04) - Gedanken zu Lk 24,13-35

Das Emmaus-Evangelium ist einer der schönsten Ostergeschichten. Wahrscheinlich weil wir alle uns auch auf einem Emmaus-Weg befinden. Wir alle kennen diese Wege, wir haben schon Abschied genommen, von lieben Menschen – und von Dingen, die erst angefangen hatten, in denen noch Zukunft lag, und von Dingen, die uns lieb und teuer geworden waren. Wir haben vielleicht einen Menschen geliebt und ihm vertraut, und er hat uns enttäuscht. Wir haben gebetet und Gott bestürmt und haben keine Antwort erhalten. Wir haben an die Kirche geglaubt, an DAS Licht der Welt, und es blieb dunkel. Wir hatten uns auf Gottesdienste gefreut, bei denen uns das Herz aufginge und bei denen an irgendeiner Ecke der Glanz des Himmels durchblitzte, aber sie sind oft langweilig und voll hohler Formeln. Aber nun hören die beiden, schon auf dem Heimweg, dem unbekannten Weggefährten zu, der ihnen sagt, dass es alles eigentlich OK ist, es sollte auch genauso kommen. Gottes Wille war es und nicht ein zynisches Schicksal hat uns das Beste genommen, an das wir noch glauben konnten. Unser so wichtiges kleines, einziges Leben und unsere Welt und unsere Kirche sind nicht ein für allemal fertig, nach unseren eigenen Plänen erbaut und eingerichtet, wie es uns gefällt; alles und jedes an seinem Platz. Und Gott an dem Seinigen. Und wenn der Ministrant das Glöcklein schwingt, hätte er zu wandeln, und wenn der Priester die Hand hebt, loszusprechen, und wenn wir einst hinübergehen, hätte er uns an der Schwelle zum Jenseits zu erwarten. Solch einem Gott könnte man auch sagen, er solle mal schnell verschwinden, wenn es uns nach einem bisschen Vietnam oder Pakistan oder Naher Osten, Ukraine oder Lateinamerika zumute wäre. Das wäre der Discjockey, der uns je nach Stimmung die richtige Platte auflegt, auch mal die Matthäuspassion von Johann Sebastian, für einen andächtigen Karfreitag. Verzeihung, aber diesen Hampelmann-Gott hat uns Jesus aus der Hand genommen, weil er keine Maschine ist, die sich fernsteuern lässt, sondern der lebendige Gott. Gut, dass die beiden, Kleopas und der andere (vielleicht Lukas) den unbekannten Wanderer nicht abgewiesen, als er ihnen unterwegs vom göttlichen Willen redete. Sie haben ihm zugehört. Sie haben ihn ins Haus aufgenommen und haben mit ihm gegessen. Und Er hat ihnen das Brot gebrochen und es ist Eucharistie daraus geworden. Sie haben Gott ernst genommen, vielleicht zum ersten Mal, vielleicht seit langem wieder, und haben ihn nicht bloß benutzt. Und darum kommt plötzlich neue Spannung in den müden Tag und sie tun, was ihnen nie und nimmer allein eingefallen wäre: Sie gehen zurück, den ganzen Weg nach Jerusalem. Sie reden nicht mehr über die Kirche, sie schaffen die Kirche, die Gemeinschaft, egal wie spät, wie dunkel, wie schwer und wieviel Energie das verschlingt. So werden auch wir zurückgehen nach dem Festgottesdienst. Wir werden uns wieder einladen, wir werden wieder miteinander reden, wir werden hoffentlich die Krankenbesuche machen, die wir von einem Tag auf den anderen verschieben, wir werden sogar die Briefe schreiben, die so sehnsüchtig erwartet werden. – Wir werden erzählen, dass den Herrn in Brotbrechen und nicht im Kirchenrecht zu erkennen ist, wir werden, so Gott will, das Christsein ein bisschen ernster nehmen. Wann das sein wird? Vielleicht schon heute? Vielleicht noch lange nicht? Aber irgendwann einmal wird Ostern sein. Zum Schluss möchte ich Ihnen nicht einen berühmten schlauen Theologen zitieren, sondern Charlie Chaplin. Nächste Woche, am 16. April wird an sein 125. Geburtstag gedacht (1889–1977). Allein die Nennung dieses Namens kann uns ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Das Osterlachen ist wichtig. Ich möchte aber die Schlussszene seines Filmes „Der große Diktator“ zitieren. Es war 1940, mitten im Krieg. Am Ende entschied er sich zu einer Rede, gehalten in der Uniform des Diktators. Eine Rede, die nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat und mit der Chaplin ein großartiges Zeugnis ablegt für Frieden und Menschlichkeit – und für die Ernsthaftigkeit seines Humors. Ich zitiere: „Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder einer Gruppe von Menschen! Vergesst nie: Gott lebt in euch allen und ihr als Volk habt allein die Macht! Die Macht, Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht, Glück zu spenden! Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen!“ Er sagt zum Schluss nicht „Amen“, ich sage aber „Halleluja!“

Alois Balint
Ostersonntag (09.04) - Halleluja!!!

Es klingt sicher ungewöhnlich, ich möchte aber jetzt nicht irgendeinen schlauen Theologen zitieren, sondern einen Satz von meinem Autohändler. Vor kurzem hat er mir gesagt: „Wissen Sie, Herr Pfarrer, von O bis O, von Oktober bis Ostern ist Winterreifenzeit. Reifen schon gewechselt?“ Er hatte recht, Profil müssen wir wechseln. Die Zeitansage lautet: Heute ist der „dritte Tag“. Erschütterndes und viel Drama liegt in der Luft. Matthäus bietet wohl die aufwendigste Osterszene der vier Evangelisten. Da ist alles dabei, was filmreif sein könnte: Erdbeben, Blitz und Donner, die Schockstarre der Wächter, eine spektakuläre Engelerscheinung. Ein wunderbares Spektakel! Eine Zeitenwende, die so richtig spürbar etwas in Bewegung setzt; keine „stille, heilige Osternacht“. Aber all das, was an Spektakulärem aufgeboten wird, ist nicht die Auferstehung Jesu. Diese passierte zuvor, hatte keine Augenzeugin und verlief völlig lautlos. Seltsam: Die wahre Zeitenwende zum Besseren braucht kein lautes Drumherum; sie geschieht unmerklich und sie passiert, bevor wir dazukommen. Ich spüre, dass eher die Ratlosigkeit, das Stottern diesem Ereignis gerecht werden. Es müsste mich eigentlich um den Verstand bringen, wenn ich das glaube. Glaube ich das wirklich, dass ER, der Tote, lebt, und dass er seit diesem Ostern frei herumläuft, „in echt“, wie es Kinder formulieren? Die meisten winken skeptisch ab und halten das Ganze für einen verspäteten schlechten Aprilscherz. In über 30 Jahren hatte ich viele Glaubensgespräche führen können. Deswegen kann ich offen sagen, dass vielen Getauften Ostern fremd und nichtssagend geworden ist. Ostern springt irgendwie nicht an – wie Weihnachten. Viele finden Ostereier, aber keine Osterspuren. Ich, als Priester, brauche auch Hilfe und setze lieber auf die Sprache der vielen Zeichen, die diese Osternachtfeier parat hält …Ich müsste bereits sprachlos werden, wenn ich mir vor Augen halte, was geschieht, wenn ich jeden Morgen wach werde. Ich müsste staunen darüber, dass es wieder hell geworden ist und ich noch lebe. Das Morgenerschrecken, selbst wenn der Wecker uns unsanft wachklingelt, ist eine Einübung ins Osterfest: Nicht ich mache mich wach, und nicht ich lasse die Morgendämmerung geschehen. Es geschieht und ich weiß nicht wie … Die wahren Wunder geschehen leise. Ostern können wir nicht so tun, als ob. Wir können nicht feiern und so tun, als ob er auferstanden wäre. Nein, wir versuchen, die Botschaft der Frauen ernst zu nehmen, die als erste etwas erlebten, was unsere pure Diesseitigkeit sprengt. Was wir in dieser Osternacht begehen, das kann ich beim besten Willen nicht herbeiführen. Das Geheimnis Jesu, sein Leben unter uns, das hat die Kirche nicht im Griff. Ich halte und mein kleiner Glaube hält ihn nicht lebendig. Dieses Wunder überlassen wir Gott selbst. Ostern passiert ohne mein Dabeisein. Wir sind genauso überwältigt wie die Frauen damals am Grab. Wie sie ahnen wir: Dieser Jesus, er gehört uns nicht, auch nicht meinem Glauben. Er sprengt den Rahmen der Kirche und hat einen Vorsprung, ist uns allen weit voraus. Wir feiern in dieser Nacht ein Geheimnis, das uns allen nicht gehört; ein Geheimnis, das so frei ist zu kommen und zu gehen, sich zu schenken oder sich zurückzuziehen. Wir feiern es trotzdem, auch wenn wir sagen: Viele unter uns sehen nur Karfreitag, soweit das Auge reicht. Auch ich bin so untröstlich und zweifelnd, dass Gott auch in mir das Wunder der Auferweckung meines Osterglaubens wirken muss, meine Ostersehnsucht wecken muss. Ich hoffe auf seine Geduld mit mir, damit ich mich langsam in den Osterglauben hineintaste, hineinlebe. Wir müssten auch spüren: Wenn das alles wirklich wahr ist, was wir heute feiern, dann kann ich nicht mehr so weiterleben wie bisher, dann stehen harte Gewissheiten auf dem Prüfstand. Was wir wirklich brauchen, sind nicht Worte, sondern Orte. Besser gesagt: „Vororte“ von Ostern, zu denen wir uns erzählend gegenseitig mitnehmen, und gemeinsam in die Richtung Auferstehung pilgern. Was ist damit gemeint? Augenblicke des Menschenunmöglichen, Ereignisse, vor denen wir erst einmal mit offenem Mund, sprachlos dastanden. Ja, ich könnte versuchen, Ihnen und mir „Auferstehung“ näherzubringen. Schwache und problematische Vergleiche. Ich könnte erzählen von einem erleichterten Aufatmen, auch von friedlichen Wendepunkten in der Geschichte, als das Joch einer Diktatur 1989 abgeworfen wurde. Ich könnte hoffentlich auf bunte Lichtblicke in der Aprilwelt verweisen, wo sich der Frühling endlich wieder Bahn bricht oder ein Grashalm aus dem Pflaster wächst. Ich könnte erzählen von einem Neuanfang einer totgesagten Beziehung, von einem Genesenen, der – endlich – das Krankenhaus hinter sich lassen darf, von wunderbaren Dreh- und Angelpunkten, die meinem Leben eine neue Richtung gaben, von unscheinbaren Momenten, aus denen sich langsam Großes entwickelt hat, als mein Berufsprofil so in die Richtung „Ostermensch“ wurde und auch ich mit neuen Oster-Augen meinen Weg sehen konnte. Wagen wir solche Ereignisse zu teilen, die uns dem Ostergeheimnis näherbringen! Und halten wir uns doch vor Augen: Ostern ist immer noch viel mehr. Ostern ist nicht die Vertröstung: „Es wird schon wieder“, auch nicht das zu schnelle „Alles ok, alles wird gut“. Ostern, da werde ich berührt von dem, der uns heute belebt und meine Wunden berührt, ohne sie zum Verschwinden zu bringen. Ja, wir sollten Osterspuren zusammentragen! Und doch ahnen: Ostern – ist noch viel schöner! Viele Menschen heute sind auch bei uns „ernsthafte Möchtegerngläubige“. Es wäre schön, wenn’s wahr wäre! Ein ehrliches Osterlied sagt: „Wir wollen alle fröhlich sein“ in dieser österlichen Zeit“ (GL 326). Aber noch vermischt sich unser Halleluja mit dem Kyrie eleison (vgl. GL 318). Ja, wir wünschen es uns, halten es für möglich, wir sind es noch nicht recht und werden es hoffentlich einmal sein. Und dann kann man am Ende noch aus Grabschriften Geburtsanzeigen lesen. Ja, liebe Schwestern und Brüder, wir sind für die Ewigkeit geboren. Halleluja!

Alois BalInt 
Karfreitag (07.04) - Was wären wir ohne den Karfreitag?

So unfassbar traurig der Tod Jesu am Kreuz ist, so wie der Tod aller Unschuldigen auf der Welt, so dankbar müssen wir Christen eigentlich dafür sein. Denn was wären wir ohne ihn. Ich denke hier nicht an die Botschaft, dass er auch für „unsere Sünden“ gestorben ist, die löst bei mir ein sehr ungutes Gefühl und Widerstand aus. Der Gerechtigkeitssinn in mir fordert, dass ich gefälligst selbst für schlechte Taten Verantwortung tragen muss. Und ich überlege, wie oft durch diesen zugesagten Straferlass durch Jesus, die Menschen wieder gedankenlos in neue Verfehlungen gegangen sind. Aber leider bringt auch die Androhung von Hölle als Strafe aus anderen Religionen, die Menschheit nicht davon ab, gegeneinander Krieg zu führen. Im großen Maßstab und im Kleinen.Noch eine Frage zum Karfreitag beschäftigt mich seit einer Veranstaltung der Abteilung Bibelpastoral unserer Diözese über Maria Magdalena. Ein Mensch, den man liebt, auf den alle Hoffnungen von vielen ruhen, stirbt auf fürchterliche Art und Weise. Ich bin sicher, ihr Schmerz ging weit über den der Jünger weit hinaus. Jede Dorne der Krone und jeden Nagel wird sie selbst mitgespürt haben. So wie seine Mutter. Manche trauern um wichtige Menschen mit dem Kopf. Die Berechnung, was durch seinen Tod nun nicht mehr möglich ist, steht im Vordergrund. Welche Pläne zunichtewurden, Hoffnungen begraben, im wahrsten Sinn des Wortes. Maria Magdalena wird nicht gerechnet haben, sondern nur gefühlt. Wir wissen ja, dass die Geschichte gut ausgehen wird. Aber sie war mitten in der schwärzesten Nacht der Trauer. Darüber, dass er sterben musste, wie er sterben musste und in welcher fürchterlichen Welt sie lebt. Gerade hat in der Türkei und Syrien die Erde gebebt. So viele Menschen sind unter fürchterlichen Umständen gestorben. Angehörige und Freunde standen vor den zerstörten Häusern und hörten die Schreie der Eingeschlossenen und konnten nicht helfen. Hilfsorganisation müssen berechnen, welche Schäden vorhanden sind, was an Mitteln gebraucht wird. Wir anderen müssen fühlen. Den Schmerz der Betroffenen mittragen und ihnen dadurch Kraft für die Situation zu geben. Durch die moderne Technik sind wir direkt neben ihnen. Zwar nicht mit den Händen, aber mit unserem Herzen. Und das hilft ihnen ganz wesentlich, damit sie die Hoffnung nicht verlieren und langfristig an einer besseren Zukunft arbeiten können. Geld wird helfen, Liebe noch viel mehr.

Elisabeth Ziegler-Duregger
Gründonnerstag (06.04) - In Würde annehmen

Dass Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat, war wohl eine der schwierigsten Lektionen, die sie lernen mussten. Und wenn Papst Franziskus zu Ostern dasselbe bei Obdachlosen und Gefangenen macht, kann ich ihr Unwohlsein dabei spüren und bin froh, nicht dort zu sitzen. Kein gesunder Mensch möchte, dass sich ein anderer vor ihm erniedrigt. Füße waschen oder den Schuhriemen lösen waren sicher Arbeiten von Sklaven zu der Zeit. Und doch werden wir fast alle einmal in der Situation sein, dass wir genau das annehmen müssen, wenn unser Körper durch Krankheit oder der Schwäche des Alters es nicht alleine schafft. Auch wenn es hoffentlich gut bezahlte Mitarbeiter*innen von Pflegeeinrichtungen sind, bleibt ein Stück Unbehagen zurück. Sogar, wenn direkte Angehörige die Pflege des Körpers unterstützen, braucht es besondere Achtsamkeit dabei, um die Würde beider zu bewahren. In gesunden Tagen ist es leicht zu sagen, „Ich habe dich gern“ oder „Ich liebe dich“. Man kann die Zuneigung in Geschenken zeigen, in gemeinsamen Unternehmungen, in Zärtlichkeit, sich gegenseitig zum Lachen bringen. Aber die wirkliche Tiefe der Beziehung zeigt sich in den schweren Zeiten des Lebens. Wenn man die Knie beugen muss vor dem anderen. Von Töchtern und Schwiegertöchtern wurde das früher meistens ganz selbstverständlich als ihre „Pflicht“ angenommen. Aber die Zeiten ändern sich. Familien wohnen zu weit entfernt voneinander, Frauen haben ihre eigenen Berufe gewählt, die Dauer, für die Hilfe gebraucht wird, hat sich auf viele Jahre verlängert. Durch die moderne Medizin bleiben mehr Menschen nach schweren Unfällen zwar am Leben, können es aber nicht allein bewältigen. Bei allen Herausforderungen und Überforderungen, die dabei entstehen können, bleibt es eine zutiefst beglückende Tätigkeit. Weil man mit all den eigenen Stärken und Talenten gebraucht wird. Mit Herz und Hand gleichermaßen. Auch wenn versucht wird, durch Roboter besonders belastende Hebearbeiten zu erleichtern, es wird immer der Mensch bleiben, der betreut. Pflegen kann man lernen, aber kann man auch „gepflegt werden“ lernen? Am besten gelingt es, wenn man es mit Humor nimmt. Scham hilft niemandem, Lachen schon. Und man fängt am besten schon recht früh im Leben damit an. Zuerst damit, dass man anderen die Füße wäscht, die Hilfe brauchen, und dann weiß man, was man tun kann, wenn jemand es bei uns macht. Einfach in Liebe annehmen.

Elisabeth Ziegler-Duregger
Palmsonntag (02.04.)

Tag täglich bekommen wir in den Medien Bilder des Krieges in der Ukraine zu sehen und zu hören, und dies seit mehr als einem Jahr. Diese Bilder werden uns noch lange begleiten. Sie zeigen uns, was ein Krieg mit sich bringt, nicht nur in der Ukraine. Wo Gewalt angewandt wird, wird Leben zerstört, wird Zukunft zerschlagen. Schlimmer als die zertrümmerten Häuser sind zerstörte Menschenleben. Über den Wunden des Leibes dürfen wir die unzähligen Wunden der Seele nicht vergessen, die viel tiefer reichen und die wir nicht sehen. Heute steht ein ganz anderes Bild vor unseren Augen, ein Bild der Gewaltlosigkeit. Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Huldigend jubeln ihm die Menschen zu und erhoffen von ihm Befreiung und Rettung. Denn sie leiden unter der römischen Besatzung. Die Last der Steuern, die sie dem Kaiser abliefern müssen, drückt sie nieder, und in weiten Kreisen herrscht Armut. Das Volk wartet auf einen Retter. Aus der Not erwächst oft der Ruf nach dem „starken Mann", der alles zum Guten wenden wird. Auch Diktatoren sind so zur Macht gelangt. Da kommt Jesus. Vielleicht ist er ihr „starker Mann". Sie begrüßen ihn als Sohn Davids, als den kommenden König, der ihnen Rettung bringt. Ja, Jesus kommt, um zu retten und zu befreien, aber nicht so, wie es die Leute erwarten, dass er die gute alte Zeit wieder herstellt. Er will die Menschen in eine neue Zeit, in die Zukunft mit Gott führen, in das Reich des Friedens, wo Gott herrscht. Doch die Begeisterung hält nicht lange an. Sie sind enttäuscht. Das “Hosanna” des Palmsonntags schlägt um in das „Kreuzige ihn" des Karfreitags. Jesus kommt nicht mit einer Gewalt, mit der er die Römer aus dem Land jagen könnte. Er kommt ohne Gewalt, ohne Waffen, sanftmütig, auf einem Esel reitend. Aber er kommt in einer Kraft, die stärker ist als alle Gewalt, stärker als alle Bomben und Raketen. Er kommt mit der Kraft rettender Liebe.In dieser Kraft geht er dorthin, wo die Not und die Angst des Menschen am größten sind: in den Tod. Im Tod öffnet er das Tor zum Leben und führt uns durch dieses Tor hinaus ins Weite, in die Freiheit und Weite des Lebens mit Gott. Jesus, der friedlich und gewaltlos in Jerusalem einzieht, gibt uns die Hoffnung für eine neue Zukunft bei Gott, ein Leben ohne Gefährdung, in Friede und Freiheit. Wo immer Menschen konsequent auf diese Zukunft Gottes bauen, wird das Leben anders, wird die Welt anders. Mit dieser Zukunft müssen wir unser irdisches Leben zusammen sehen. Beides zusammen ist das Ganze der Wirklichkeit. Das irdische Leben ist nur die eine Seite der Medaille, die eine Hälfte unseres Daseins. Weil wir uns meist mit dieser Hälfte begnügen, finden wir in den Lebensfragen auch nur halbe Lösungen. Es sind Lösungen, die nichts lösen, sondern in neue Verstrickungen führen. Wenn wir unser Glück nur in dieser Welt suchen und jeder ängstlich um sein privates Glück besorgt sein muss, dann verlieren wir nicht nur den Blick auf das Ganze der Wirklichkeit, sondern auch die Fähigkeit zu gegenseitigem Beistand, zu gemeinsamen Anstrengungen für das Gute, für Gerechtigkeit und Frieden. So kommt es zwangsläufig zu Gewalt, zu Krieg, im Großen wie im Kleinen. Jesu Weg verläuft anders. Sein Einzug in Jerusalem ist nur eine Etappe auf dem Weg zum Vater. Und diesen Weg geht er ohne Gewalt. Als Petrus am Ölberg das Schwert zieht und dem Malchus das rechte Ohr abhaut, sagt Jesus dem Petrus: „Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte?" Jesus geht diesen Weg für uns und uns voran. Wir gehen mit. In der Prozession bekennen wir uns dazu. Dieser Weg der Gewaltlosigkeit mit Jesus führt sicher ans Ziel. Dafür bürgt Jesus, der an Ostern Gewalt und Tod überwunden hat und in die Herrlichkeit des Vaters eingegangen ist. Allerdings, kampflos ist dieser Weg nicht zu gehen. Die entscheidende Auseinandersetzung wird jedoch nicht mit Waffen, sondern im Herzen ausgetragen. Jesus hat diesen Kampf am Ölberg durchgekämpft, als er den Vater bat: „Nimm diesen Kelch von mir". „Aber nicht, was ich will, sondern was du willst soll geschehen." Die entscheidenden Kämpfe unseres Lebens finden im Herzen statt. Dort wird das Böse niedergerungen, damit das Gute zum Sieg kommt. In den Herzen der Menschen entscheiden sich Krieg und Friede, in der großen Politik unter den Völkern und gesellschaftlichen Gruppen wie in unserer kleinen Welt der Familie, der Verwandten, Bekannten und Arbeitskollegen. Jesus Christus ist uns den Weg der gewaltlosen Liebe vorausgegangen. Dieser Weg allein führt ans Ziel, zu Gott, in die Auferstehung; schon jetzt aber bringt er Ordnung und Frieden in unser Leben und in unsere Welt. Gehen wir darum beherzt und konsequent diesen Weg in der Nachfolge unseres Herrn.

Günther-Diether Loch