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Im Jahreskreis 2020

 
Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag - 7. Juni 2020
 
Gedanken zum Fronleichnamsfest - 11. Juni 2020
 
Gedanken zum 11. Sonntag im Jahreskreis  - 14. Juni 2020
 
Gedanken zum 12. Sonntag im Jahreskreis  - 21. Juni 2020
 
Gedanken zum 13. Sonntag im Jahreskreis  - 28. Juni 2020
 
Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis - 5. Juli 2020
 
Gedanken zum 15. Sonntag im Jahreskreis  - 12. Juli 2020
 
Gedanken zum 16. Sonntag im Jahreskreis  - 19. Juli 2020
 
Gedanken zum 17. Sonntag im Jahreskreis - 26. Juli 2020
 
Gedanken zum 18. Sonntag im Jahreskreis - 2. August 2020
 
Gedanken zum 19. Sonntag im Jahreskreis - 9. August 2020
 
Gedanken zum Fest Mariä Himmelfahrt - 15. August 2020
 
Gedanken zum 21. Sonntag im Jahreskreis - 23. August 2020
 
Gedanken zum 22. Sonntag im Jahreskreis  - 30. August 2020
 
Erntedankfest in Zeiten der Lebensgefahr

Wofür dankt man beim Erntedankfest? So beliebt es im liturgischen Jahr geworden ist, so ratlos macht dieser Tag. Wo vollziehen sich die Ernten in unserer Gesellschaft noch mit Bezug auf Religion, auf Schöpfungserfahrung? Das Bedürfnis zu danken meldet sich da, wo wir unsere Abhängigkeit spüren und an die Grenzen des Wachstums geraten, wenn wir das Fehlen des Regens spüren, das Ausbleiben der Erntehelfer, die steigenden Preise bei Obst und Gemüse. Erntedank ist das Sich-Wundern über das Nicht-Selbstverständliche, das eigene fragile Leben und die Früchte, die es hervorbringt. Der heilige Franziskus, den die Kirche an diesem Sonntag als kostbare Frucht in ihrem „Erntekorb“ feiert, kommt aus einer fremden Welt; wir sollten diese Fremdheit nicht zu schnell einebnen und sein sprödes Personengeheimnis nicht leichtfertig banalisieren. Dann bliebe von ihm nur ein frommer Naturbursche. Auch das Erntedankfest (das 2020 auf den Tag dieser natursensiblen Persönlichkeit fällt) ist fremd, wo alles auf Effizienz und gesteigerte Produktivität ankommt, auf Verschwendung, wo dafür irrationale und irreversible Eingriffe in die Natur hingenommen werden: die Steuerung aller Abläufe in Agrarfabriken, Schlachthöfen und in der Lebensmittelindustrie, das exponentielle Abholzen der Wälder, die Vergiftung des Wassers, sogar das „Zurückschlagen“ der verwundeten Natur …

Wenn wir ehrlich sind, ist es nicht plausibel, diesen Tag ungebrochen und allzu affirmativ zu feiern. Die Schöpfung, auf der die Ernten wachsen, ist schwer krank. Gestehen wir es ein: uns fehlt der Resonanzboden für den „fremden Gast“ Franz von Assisi und für Erntedank, das Fest wird „unmöglich“.

Das Erntedank-Gefühl kommt aus einer anderen Welt – wie Franziskus, der Ohrean hatte für die feine Resonanz des Schöpfers in der Natur und im Sonnengesang (GL 559) darauf Antwort gab. So kommen wir ein wenig ratlos vor diesem „Festinhalt“ zusammen – meist als Hobbygärtner, Blumenbeet-Besitzer und Freizeitwanderer. Gerade in diesem Jahr, in dieser Zeit der Lebensgefahr, bekommt Erntedank auch den anderen Klang: Dank für meine nackte Existenz, für das „Manna“ der Gesundheit und die Einsicht, dass wir in Grenzen leben und Teil einer schwer kranken Schöpfung sind. Erntedank ist auch der leise Dank für unsichtbare Gaben, für den Mut zu denken und nachzudenken, für die Wahrnehmung des Verlässlichen, für das Gelungene, das Überstandene. Erntedank ist auch Einverständnis in meine Kreatürlichkeit, dass meine Kräfte begrenzt sind. Und dazu legen wir den leisen Dank für den glücklichen Augenblick von vor 30 Jahren, als uns Deutschen Einheit in Frieden geschenkt wurde und uns wie eine Frucht zufiel.