Wo nimmt meine Hoffnung ihren Anfang? Wann kommt meine Hoffnung an ihr Ende? Das sind Fragen, die uns gerade bewegen. Heute, in einer Zeit gezeichnet durch große Herausforderungen, viel Ungewissheit, viel Unsicherheit. „Wie geht es weiter? … Wo endlich ist Licht am Ende dieses langen Tunnels?“ Mit dieser – auf den ersten Blick ungewöhnlich dunklen – Osterkerze sind wir genau diesen Fragen nachgegangen. Wenn es uns gut geht, spielt Hoffnung keine große Rolle in unserem Leben. Aber viele von uns kennen Zeiten, in denen das Leben nicht einfach gelingt, in denen Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit Raum gewinnen und uns zu vereinnahmen drohen oder dies sogar auch tun. Dann, wenn wir selbst das Gefühl haben, den nächsten Schritt nicht mehr zu schaffen, dann brauchen wir dringend Hoffnung: Ein Wort, eine Geste, einen Ton, einen verständnisvollen Blick, einen beherzten Händedruck…. War es nicht auch so zu Beginn der Zeiten, als Finsternis über der Erde lag? „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. / In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1, 1-5).
In den dunkelsten Stunden der Nacht liegt der Beginn eines neuen Tages. Dieses Versprechen wird uns nochmals umso mehr deutlich, wenn wir bedenken, dass die Auferstehung – die Hoffnung schlechthin, die Hoffnung auf ein Leben nach dem unausweichlichen Tod – also dass diese Auferstehung mitten in der Nacht geschah. Matthias Grünewald, bedeutender Maler der Renaissance, hat es in sehr eindrücklicher Weise verstanden, die Auferstehung Jesus, – zu sehen auf der rechten Bildseite des Isenheimer Altars –, als Lichtwunder mit ungeahnter Strahlkraft darzustellen. Beim Gestalten dieser Osterkerze haben wir uns von diesem Bild inspirieren lassen. Unsere Osterkerze soll Hoffnung in mehreren Bildern und Bewegungen symbolisieren.Die Auferstehung in ihrer Farbenpracht, regenbogenartig, einer aufgehenden Sonne gleich, die die Dunkelheit verdrängt. Das leere Grab, der weggerollte Stein, ein Kreuz auf weißem Grund, dem Liedvers angelehnt: „…der Leib ist klar, klar wie Kristall, Rubinen gleich die Wunden all, die Seel' durchdringt ihn licht und rein, wie tausendfacher Sonnenschein.“ Ein keimendes Samenkorn – das Weizenkorn, das stirbt und nur so hundertfach Frucht bringen kann. Auf dem dunklen Nachthimmel sind Gold-Sterne angedeutet: „Es gibt keinen Platz, der so dunkel ist, dass das Auge nicht doch noch einen Stern entdeckt.“
Auf der Rückseite der Kerze gibt es noch ein zusammengesetztes Wort zu entdecken: HOFFENDLICHT. Dass es am Ende doch so sei. Wir HOFFEN – ENDLICH – LICHT!
Zum Abschluss noch ein Blick auf die gesamte Kerze: Wie verändert sich die Kerze, je länger sie brennt? Wird es für uns alle die Erfahrung mit dieser Osterkerze werden: Je weiter sie in den nächsten Monaten abbrennt, desto kleiner wird die Nacht? Die Schatten weichen, die Finsternis zieht sich mehr und mehr zurück und was bleibt, sind Licht und HOFFNUNG.
Kerzenteam 2021: Esther König-Leblond, Michael Beck