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Fastenzeit 2022

Impuls zum Palmsonntag (10. April) - Gedanken zur Karwoche

Der Palmsonntag eröffnet uns die Heilige Woche. In der armenischen Kirche wird in der Liturgie dieses Tages ein großartiges Bild entworfen. „Wir fahren von hoher See in den Hafen.“ Das also kennzeichnet diesen Sonntag: In den vorangegangenen Wochen der österlichen Bußzeit waren wir auf hoher See. Das erforderte äußerste Anspannung. Hellwach und konzentriert muss jeder auf hoher See sein. Aber jetzt kommen wir zurück in den Hafen. Die harten Anstrengungen in den Wochen zuvor haben jetzt ein Ende. Den Einzug Christi in Jerusalem feiern wir heute. Kräftig stimmen wir in das Hosanna ein: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“  Es verschlägt uns hoffentlich den Atem, in der gleichen Feier – nur kurze Zeit später – die Volksmenge schreien zu hören: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ Spiegelt sich in dieser Diskrepanz auch unsere eigene Doppelbödigkeit wider?! Mischen sich in das Geschrei der Volksmenge auch unsere eigenen Verratsrufe?! Am Abend des Gründonnerstags beginnt der Karfreitag. Wir betrachten die Todesangst im Garten Getsemani, den Verrat durch einen Freund, die Verurteilung zum Tod, den Weg mit dem Kreuz durch die engen Gassen Jerusalems, schließlich die Kreuzigung auf Golgota und die Grablegung in aller Eile. Auf diesen ersten österlichen Tag folgt am Karsamstag die absolute Stille, die Grabesruhe. Es ist der einzige Tag im Jahr ohne jede Art von Gottesdienst. Und doch steht gerade an diesem Tag die drängende, höchst wichtige Frage für jede und jeden von uns an: „Was müsste ich endlich einmal begraben? Was darf nicht länger in meinem Inneren als Groll rumoren, als Vorwurf gegen Menschen, die möglicherweise schon lange in die Ewigkeit gegangen sind?“ Dieser zweite österliche Tag hat offensichtlich ein höchst wichtiges Programm voller Dramatik für jede und jeden von uns. Es wäre ein Jammer, wenn dieser Tag als „Putztag“ verkäme.
In der Feier der Osternacht und im österlichen Hochfest bekennen wir nach Passion und Tod unseren Herrn Jesus Christus als auferstandenen Wegbegleiter, als Kraftquelle für jeden Tag neu. Deutlich spüren wir am Beginn der Karwoche, welches Geschenk es ist, unser eigenes Aktivsein hintanzustellen, ruhig zu werden und uns von der Mission Jesu Christi, der „Passio Domini nostri Jesu Christi“ und seiner Auferstehung beschenken zu lassen.

Alois Balint

Impuls zum 5. Fastensonntag (3. April) - Gedanken zu Joh 8, 1-11

Was treibt Sie in Ihrem Leben an? – Für Jesus ist es in diesem Augenblick das Schicksal der Frau, die vor ihm im Sand kniet und ihrer Hinrichtung mit Angst und Schrecken entgegenbangt. Was hier passiert, ist vielleicht rechtens, denn so sieht es der Talmud vor: Auf Ehebruch steht die Todesstrafe. Doch entspricht dies tatsächlich dem Ansinnen Gottes? – Gott will Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit aber ist seine Barmherzigkeit. Und die sprengt das Gesetz. Sie stellt es sogar gänzlich in Frage, wenn es um den Menschen geht, sein Wohl, seine Würde, sein Leben. Doch „wo kämen wir hin, wenn wir alles so einfach durchgehen ließen? Recht muss Recht bleiben. Koste es, was es wolle, und sei es selbst das Leben eines Menschen.“ „Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge“, fragt der Schweizer Pfarrer Kurt Marti provozierend nach.
Jesus geht. Jesus schaut dahinter. Ohne Angst. Ohne Furcht. Er sprengt damit Konventionen. Er legt sich an. Er eckt an. Zunächst malt er in den Sand. Und dann stößt er alle vor den Kopf. Die Selbstgerechten. Die Scheinheiligen. Die Besserwisser. „Wer von euch ohne Sünde ist …“ Jesus geht. Jesus geht immer weiter. Am Ende kostet dies ihn Kopf und Kragen. Er kommt damit bis zum Kreuz, zunächst und keinen Schritt weiter. Ist damit alles in Frage gestellt, ad absurdum geführt? Behält am Ende doch der Recht, der am lautesten schreit und nach Vergeltung ruft? Man möchte es meinen. Damals wie heute. Doch wo enden diese lauten Rufe? Sie erzeugen Aggression und Gewalt. Sie verletzen und sie demütigen. Sie machen klein und entwürdigen. Sie setzen herab und zerstören. Am Ende bleibt nichts mehr übrig außer Schutt und Asche und eine zerstörte Seele.
Was treibt Sie in Ihrem Leben an? Jesus treibt der Mensch an und seine Sorge um ihn. Ihm soll Gerechtigkeit widerfahren. In dem Wort Gerechtigkeit steckt das kleine Wort Recht. Der Mensch hat grundlegend ein Recht auf Würde und Ansehen, Achtung und Respekt. Das sind Werte, die eine Gesellschaft am Leben erhalten und das Zusammenleben von Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihres Status, garantieren sollen.
In einer gerechten Gesellschaft kommt jede und jeder zu seinem/ihrem Recht und kann sich als Mensch entfalten – mit all den Fähigkeiten, den Fertigkeiten, die Gott jedem einzelnen von uns geschenkt hat. Wie Menschen Gerechtigkeit widerfahren kann, bringt Jesus in der Bergpredigt ins Wort: Trauernde finden Trost. Hungernde werden satt. Barmherzige finden Erbarmen. Menschen mit einem weiten Herzen werden Gott schauen. Jene, die Frieden stiften, werden Kinder Gottes sein. Und wer um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird, für den wird sich der Himmel öffnen. An diesen Worten Jesu wird zugleich spürbar, dass Gottes Gerechtigkeit weiter reicht als die Gerechtigkeit, wie wir sie auf Erden anstreben. Die menschliche Gerechtigkeit besagt: Wenn eine Frau die Ehe gebrochen hat, muss sie bestraft werden. Die menschliche Gerechtigkeit sagt auch, dass dies das Richtige ist. Gottes Gerechtigkeit aber besteht darin, dass er barmherzig ist, dass er mitfühlt, Schuld vergibt und damit einen Neuanfang für den Menschen möglich macht. Nicht nur einmal. Immer wieder. „Frau, hat dich keiner verurteilt? … Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“
Walter Kasper sagte einmal in diesem Zusammenhang: „Gott ist nicht wie ein Richter oder ein Angestellter, der ein von höherer Autorität aufgestelltes Gesetz gerecht anwendet; Gott ist souveräner Herr, der nicht unter dem Gesetz eines anderen steht, sondern seine Gaben souverän zuteilt. Dabei geht er nicht willkürlich vor, er handelt vielmehr gemäß der ihm eigenen Güte. So steht Barmherzigkeit nicht gegen die Gerechtigkeit; sie setzt sie nicht außer Kraft, sondern geht weit über sie hinaus. Sie ist die Erfüllung der Gerechtigkeit.“
Auf die Frage eines Journalisten, ob man Katholiken, die geschieden sind und die wieder geheiratet haben, nicht doch zu den Sakramenten zulassen könne, antwortet Papst Franziskus: „Die Barmherzigkeit ist größer als jener Fall, den Sie vorstellen. Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist.“ Und weiter: „Dieser Epochenwechsel, auch viele Probleme der Kirche … haben viele Verwundete hinterlassen, viele Verwundete. Und die Kirche ist Mutter; sie muss hingehen und die Verwundeten pflegen, mit Barmherzigkeit. Wenn aber der Herr nicht müde wird zu verzeihen, haben wir keine andere Wahl als diese.“ Und schließlich: „Warum verkomplizieren wir, was so einfach ist? Jesus hat uns mit seinen Worten und seinen Taten diesen Weg der Anerkennung des anderen gewiesen. Warum verdunkeln, was so klar ist? Sorgen wir uns nicht nur darum, nicht in lehrmäßige Irrtümer zu fallen, sondern auch darum, diesem leuchtenden Weg des Lebens und der Weisheit treu zu sein.“ – In diesem Sinne ist Barmherzigkeit eine Kraft, die Leben schenkt, die den Menschen erweckt; ihn herausholt aus dem Sumpf seines Lebens. Damit reicht sie aber weit über das hinaus, was wir üblicherweise als Gerechtigkeit verstehen. – Die ach so Selbstgerechten lassen nach Jesu Einschreiten beschämt ihre Steine in den Sand fallen. Sie gehen betroffen weg.
Was treibt Sie in Ihrem Leben an? Einen möglichen Antrieb stellt uns der Epheserbrief (4,32) vor: „Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat.“

Alois Balint
 
Impuls zum 4. Fastensonntag (27. März) - Gedanken zu Lk 15,1-32

Papst Franziskus spricht gerne und überzeugend von Gottes Barmherzigkeit. Ein großes Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit ist für ihn die Vergebung der Sünden. Wie Jesus von der Barmherzigkeit Gottes denkt, hat er uns heute im Evangelium erzählt.
Einen jungen Mann packt die Abenteuerlust. Er nimmt sein Erbteil und schafft es, alles in kurzer Zeit durchzubringen. Am tiefsten Punkt kommt dann die Frage: trotzig so weitermachen und vor die Hunde gehen – oder zugeben, dass man sich verrannt hat. Wir kennen die wunderbare Szene der Heimkehr und die liebevolle Aufnahme beim Vater.
Manch einem mag die ganze Geschichte zu schön und zu rund sein. Darum sind auch immer wieder etwas andere Geschichten vom guten Vater und dem verlorenen Sohn entstanden. Eine dieser Geschichten findet sich zum Beispiel im Schauspiel „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Da ist es der ältere Sohn, der von zu Hause weggeht. Als er ziemlich heruntergekommen ist, schreibt er an seinen Vater. Aber der jüngere Bruder fängt den Brief ab und schreibt sozusagen im Auftrag des Vaters an seinen älteren Bruder: „Du sollst hingehen, lässt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandtaten führen. Auch, sagt er, werdest du dir keine Hoffnungen machen, jemals Gnade zu seinen Füßen zu erwimmern. Im untersten Gewölbe seiner Türme wirst du mit Wasser und Brot traktiert.“
Es ist interessant, wie hier die Geschichte vom liebenden Vater zu einer Geschichte der feindlichen Brüder wird. Aber ist das nicht auch die Geschichte des Evangeliums? Natürlich will Jesus seinen Zuhörern sagen, dass der Gott, auf den sie sich berufen, unendlich liebevoll und barmherzig ist. Er will aber auch deutlich machen, dass dieser liebende Vater die Menschen untereinander verbinden möchte. Man kann sich vorstellen, dass der heimgekehrte Sohn wahrscheinlich die Hölle im Vaterhaus hätte, wenn sein Bruder sich nicht umstimmen ließe. Und auch der Vater würde wohl des einen Freund und des anderen Feind werden, wenn keine Veränderung stattfinden würde.
Den Sohn, der in der Fremde herunterkam, hat das Leben mit seiner Härte bekehrt. Was wird den Bruder umstimmen, der ordentlich in Traditionen gelebt hat?
Das Evangelium erzählt uns, wie die Versöhnung zwischen dem Vater und dem verlorenen Sohn ausgeht. Leider erfahren wir nichts darüber, wie die beiden Brüder miteinander zurechtkommen.
Jemand hat mal gemeint, das ist der Teil des Evangeliums, an dem wir noch arbeiten – jeden Tag, mit wechselndem Erfolg.

Alois Balint
 
Impuls zum 3. Fastensonntag - Fest des Hl. Josef (19. März)

Anlässlich des 150. Jahrestages der Erhebung des heiligen Josef zum Schutzpatron der ganzen Kirche durch Papst Pius IX. am 8. Dezember 1870 hat Papst Franziskus am 8. Dezember 2020 ein Apostolisches Schreiben mit dem Titel „Patris Corde“ verfasst. Der Titel ist aus dem ersten Satz des Schreibens entnommen: „Mit väterlichem Herzen liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien ‚der Sohn Josefs‘ genannt wird.“ In diesem Schreiben gibt er dem heiligen Josef sieben Attribute, die ihn in besonderer Weise auszeichnen. Es sind Beschreibungen, die dem Papst besonders wichtig sind: geliebter Vater, Vater im Erbarmen, Vater im Gehorsam, Vater im Annehmen, Vater mit kreativem Mut, Vater und Arbeiter, Vater im Schatten. Sicherlich könnten wir diese Attribute noch mit vielen anderen, die uns als Gläubige, die den hl. Josef verehren, die zu ihm beten und die ihn in unseren Sorgen und Nöten anrufen, ergänzen. Denn der heilige Josef ist uns allen bekannt und vertraut als der Patron der Zimmerleute, der Kinder, der Jugendlichen und Waisen, der Ehepaare und Familien, der Jungfräulichen, der Reisenden und Verbannten, der in Versuchungen und Verzweiflung und als der große Patron der Sterbenden. Eine Beschreibung in der Aufzählung von Papst Franziskus, die ich bisher so noch nie gehört habe, hat mich jedoch erstaunt aufhorchen lassen. Josef ist eine biblische Persönlichkeit gewesen, von der wir nur sehr wenig wissen, von dem kein Wort in der Heiligen Schrift überliefert ist und der eher als schweigend, liebend, treu und als sorgender Vater und Ehemann wahrgenommen wird. Franziskus hebt ihn in seinem Schreiben als „Vater im Schatten“ hervor. Bei diesem Attribut bezieht er sich auf einen Roman des polnischen Schriftstellers Jan Dobraczynski 1977 mit dem Titel „Der Schatten des Vaters“. Dobraczynski, der im 2. Weltkrieg in Warschau mehrere hundert jüdische Kinder rettete, zeichnet in seinem Buch mit dem eindrucksvollen Bild des Schattens die Gestalt des Josef, der in der Beziehung zu Jesus der irdische Schatten des himmlischen Vaters ist. Er behütet, beschützt seinen Pflegesohn, weicht nicht von seiner Seite und folgt seinen Schritten. Josef hat sein ganzes Leben lang seine Vaterschaft ausgeübt, so wie Gott das auserwählte Volk Israel auf dem ganzen Weg durch die Wüste getragen hat wie ein Vater, der sein Kind trägt (vgl. Dtn 1,31).Papst Franziskus weist sodann darauf hin, dass sich die Vaterschaft dadurch auszeichnet, dass jemand Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, und die Kirche von heute solche Väter braucht. Ein solcher Vater muss sich durch wirkliche und aufrichtige Liebe auszeichnen, so wie Gott selbst sich durch die Liebe zu uns Menschen in einzigartiger Liebe auszeichnet. Josef hat sich selbst nie in den Mittelpunkt gestellt, sondern hatte die Größe, Maria und Jesus zur Mitte seines Lebens zu machen. Somit zeichnet sich Josef als ein Mann der Selbsthingabe und des Vertrauens aus. Somit wird der hl. Josef zum Vater und Vorbild für die Welt, zum Vater, Vorbild und Schutzpatron der ganzen Kirche. Bischof Dr. Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat im vergangenen Jahr in seinem Statement am Ende der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe gesagt: „Die Kirche befindet sich in einem erbärmlichen Zustand.“ Unsere Kirche ist nicht mehr nur zerbeult, sondern sie ist vergiftet, beschmutzt, heruntergekommen, entheiligt, ja, sie ist krank und bedarf einer dringenden spirituellen Therapie, einer eingehenden Schmerztherapie mit allen Konsequenzen. Die Kirche, vor allem die deutsche Kirche, muss aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich selbst zu bejammern, denn die Menschen von heute interessieren nicht äußere Strukturdebatten und institutionelle Veränderungen, sondern die Menschen erwarten von der Kirche und ihren Amtsträgern, dass sie ihnen die Frohe Botschaft von Gottes Liebe verkünden, dass sie ehrlich und authentisch sind. Die Menschen von heute brauchen diese lebenswichtige Botschaft und die Nähe Gottes in den Sakramenten und Sakramentalien. Die Menschen in ihren Sorgen und Nöten, ihren Ängsten und ihrer Verzweiflung brauchen die Kirche und ihre Seelsorger und Seelsorgerinnen, die ihnen zur Seite stehen, oft sogar schweigend und still begleitend, wie der heilige Josef es gewesen ist. Die Kirche von heute braucht mehr denn je den Schutz des heiligen Josef, der sich seiner Familie in vorbildlicher Weise schützend und sorgend angenommen hat. Die Kirche unserer Tage braucht daher auch den kreativen Mut, der dem heiligen Josef gegeben war. In drei Träumen bekam Josef seine Aufträge von Gott, die für ihn ganz neu, überraschend und unberechenbar gewesen sind. Er hat diese Gottesbotschaft wie Maria in seinem Herzen erwogen und hat sich ihr gestellt. Josef war alles andere als ein Träumer oder Leisetreter, er war vielmehr von kreativem Mut erfüllt, diesen Visionen in seinem Gottvertrauen zu folgen. Josef war ein Mann mit Charakter, der sich seiner Verantwortung bewusst war. In dieser Haltung konnte er die Heilige Familie in eine gute und sichere Zukunft führen und sie vor Schaden bewahren. Lassen wir uns in unserer jetzigen Situation nicht entmutigen und beten wir zum heiligen Josef. Er hat schon so vielen Generationen und ungezählten Menschen geholfen. Vertrauen wir ihm die Kirche Jesu Christi an, er wird auch uns helfen und die Kirche in eine gute geistliche Zukunft begleiten. Mit Papst Franziskus dürfen wir deshalb beten: „Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers und Bräutigam der Jungfrau Maria. Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut, auf dich setzte Maria ihr Vertrauen, bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen. O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater und führe uns auf unserem Lebensweg. Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.“

Alois Balint
 
Impuls zum 2. Fastensonntag (13. März) - Gedanken zu Lk 9,28-36
Beides gehört zum Leben: die Hoch-Zeiten, die besonderen Erlebnisse und glücklichen Momente – und der Alltag mit seinen Pflichten und seiner Routine, mit seinen Sorgen und kleinen Freuden. Beides gehört auch zu unserem Glauben: die „Tabor-Erfahrungen“, in denen uns plötzlich aufgeht, was Jesus für uns bedeutet und wie wir durch ihn manches in einem neuen Licht sehen können – und die Zeiten, in denen wir ganz unspektakulär in seinem Sinn zu leben und unsere Aufgaben zu erfüllen versuchen. Und beides begegnet uns in einem neuen Lied in unserem Gotteslob, das hoffentlich bald zum festen Repertoire jeder Gemeinde gehört. „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“ (im "Gotteslob" 363) ist eine gesungene Predigt am Fest „Verklärung des Herrn“ (6. August) und am Zweiten Fastensonntag. In drei Strophen, als Gebet formuliert, holt Peter Gerloff (* 1957), Pfarrer und Dichter vieler Kirchenlieder, die Symbolgeschichte von der Verklärung Jesu in unser Leben herein. Strophe 1 bittet Christus, uns wie den Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes das „Gipfelerlebnis“ zu ermöglichen und uns seine Herrlichkeit, seine Ausstrahlung sehen und spüren zu lassen. Strophe 2 verstärkt die Bitte der ersten Strophe mit dem Wunsch, dass auch wir entdecken, wer Jesus wirklich ist: der Herr in unserem Leben – und was uns als Ziel vor Augen steht: das Reich Gottes. Die 3. Strophe bittet Jesus, mit uns wieder vom Berg ins Tal, zurück in unseren Alltag zu gehen. Jede Strophe mündet ein in den zuversichtlichen Kehrvers, dass auch uns das Licht und die Strahlkraft Jesu verwandeln wird. Die Melodie des Liedes hat Richard Mailänder (* 1958), Musikwissenschaftler und Kölner Erzdiözesankirchenmusikdirektor komponiert; er unterstreicht den Text durch eine ansprechende und anspruchsvolle Melodie: Sie führt uns „Schritt für Schritt“ zum Gipfel, zur Oktav des Ausgangstons, um uns dann jeweils in einem großen Abwärtssprung wieder zurückzubringen ins „Tal der Alltagssorgen“ – dorthin, wo der Glanz Jesu die vielen Mühen und die täglichen Kreuze aufhellen soll. „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“, ist das nur der Titel eines neuen Liedes, oder ist das auch eine Herausforderung unseres Glaubens? „Herr, nimm UNS?“ Wir waren doch gar nicht dabei damals! Wir gehörten doch nicht zu dieser exklusiven apostolischen Kerngruppe, die „das“ erleben durfte! Hinauf? Das klingt nach christlichem Leistungssport für mystisch Begabte, nach einer exklusiven Sondereinlage für Auserwählte. Und überhaupt: Diese Botschaft hört sich schon verfrüht österlich an. Sollen wir denn heute, in der 2. Fastenwoche schon „Ostermenschen“ werden? Wenn es um die Freizeit geht, gibt es ja Umfragen: Die einen fahren im Urlaub lieber ans Meer, ins Flachland; die anderen fühlen sich fit und besteigen gerne Berge; andere halten sich im Tal auf. Womöglich sind wir wandermüde; haben keine Lust, keinen inneren Schwung, nach dem zugigen Berg der Versuchung (wie am vorigen 1. Fasten-Sonntag) erneut einen Gipfel zu besteigen. Wir müssen ja mit den Kräften haushalten. Es scheint, dass Jesus die Berge liebte und die weite Aussicht, dass er sich „da oben“ dem Vater näher fühlte, dass ihm diese Grenzenlosigkeit gut tat: Höhe, Weite, der offene Himmel über ihm; raus aus der Enge, der Einsperrung, aus dem Zugriff der anderen, den überzogenen Erwartungen der Leute. Und wir versuchen, hinkend und keuchend und schwitzend nachzuwandern – von Berg zu Berg; auch diese anstrengende Tour heute ist Vorbereitung auf Ostern. Manchmal ist es gut, sich auf eine Bergwanderung einzulassen, nicht nur Flachlandchristen zu sein. Was soll man mit dem heutigen Evangelium anfangen? Was haben wir davon? „Brauchte“ Jesus ein solches Ereignis zu seinem Glück? Allerorten stehen sie auch in den Kirchen zur Zeit, die Bußprediger, die zu Bescheidenheit und Verzicht auffordern. Und wahr ist: Die Bußzeit ist das Fasten der Augen, der Verzicht auf die großen Erlebnisse, das Extravagante, auf Halleluja-Glanz und Gloria. Aber das heutige Evangelium erinnert mich daran, dass Jesus „anders“ aussieht, als ich es gerne möchte. Betend wird er in ein neues Licht getaucht. Der Vorhang wird nur eine Lichtsekunde lang vor dem Geheimnis dieser Person weggezogen: Licht und Wolke als Aufklärer. Auf einmal ist Licht im Überfluss da. Lichte Momente, leider nur Vorläufiges, Unwiederholbares, „Minuten der Ausnahme“. Aber ich wünsche mir und uns an manchen Sommertagen, man müsste doch Mittel und Wege finden, das Licht und die Wärme zu sammeln für dunklere Stunden, für die Kälte des Winters. Doch Licht kann man nicht festhalten und bunkern. Ich habe zu lernen, den Glanz der Sonne in diesem Augenblick zu genießen und diese Helle freizugeben. Manchmal fragt man sich: Hat Jesus jemals Urlaub gemacht, hat er es auch einmal schön gehabt? Heute nimmt er sich einmal heraus. Er besteigt einen Lieblingsort, eine Stätte der Exerzitien. Er war eben nicht immer nur rastlos unterwegs – für uns. Er geht nicht restlos auf in dem, was wir „‚Erlösung“ nennen. Er ruft uns auch nicht pausenlos zur „Nachfolge“ auf. Heute darf er „Sohn“ sein, Lichtfigur, Mittelpunkt; er ist nicht nur Funktionsträger, Dienstbote, Lebensretter, Erlösungsbeauftragter, Opferlamm. Er ist mehr: „Geliebter Sohn“! Er ist nicht zu fassen, ist wunderbar frei. Er gehört nicht den Frommen, nicht den Aposteln, nicht den Moralpredigern, er gehört Gott allein! Uns ruft die Himmelsstimme aus der Wolke. Wie die neun anderen Jünger im Tal sind wir angewiesen aufs Nacherzählen des Schönen. Jesus rettet unseren Rückweg in die Werkwoche vor der Resignation und Überanstrengung, vor der Orientierungslosigkeit dessen, der nicht mehr recht weiß, wozu das Ganze. Na ja, dem Glaubenden können die Beine schwer werden, man kann lustlos herumwurschteln ohne Ziel und Motivation SOGAR wenn man in die Kirche kommt! Ganz konkret, was passiert wenn wir zum Beispiel nach der Messer vom „Bergfest heruntersteigen“, dann mit der heiligen „Brotzeit“ auf der Zunge, mit einer Wegzehrung, die aussieht wie gewöhnliches Brot? Vielleicht ist das Wetter heute bedeckt, wolkig: Wolken, nicht das gleißende Sonnenlicht des Hochsommers, werden zum Zeichen Gottes, für seine Diskretion, seine schonende Gnade. Es ist aber wunderbar einer Glaubensgemeinschaft anzugehören, die solche Lichtblicke überliefert, die sich ablenken lässt von dem Größeren, Schöneren, von dem Einen, der sich nicht festhalten, sondern nur feiern lässt. „Herr, nimm auch uns zum Tabor mit“ – ein Lied, das uns zum Höhepunkt unseres Glaubens führen will, zum Bekenntnis: Jesus Christus ist der Herr, der Sohn Gottes. Ein Lied, das uns animiert, mit Christus als Begleiter hinunterzusteigen in die Niederungen unseres Lebens. Ein Lied mit Tiefgang – im wahrsten Sinn des Wortes. Dieses Lied könnte heute auch unser Glaubensbekenntnis sein. (GL 363)
 Alois Balint
 
Mülltrennung - ein Impuls zur Fastenzeit

Mülltrennung - Das kennt jeder und macht - denke - ich auch jede und jeder. Und wenn nicht, haben wir schon den ersten guten Vorsatz für die Fastenzeit.

Gelber Sack, grüne Tonne, Glascontainer. In allen drei sind Wertstoffe. Sie sind wertvoll, auch wenn sie verbraucht und alt sind. Sie können erneuert werden: „Aus Alt mach Neu.“ Nichts von den wertvollen Materialien soll verloren gehen.

Genau das ist auch die Botschaft vom Aschermittwoch – und der gesamten Fastenzeit bis hin zum Osterfest.

Während dieser Zeit soll aus dem Alten und scheinbar Unbrauchbaren unseres Lebens Neues werden. Alles, was unheil, unglücklich, vielleicht auch böse und schuldig ist, will Gott wandeln.

Alles, was uns belastet, was unbrauchbar war in unserem Tun und Denken – das nimmt Gott und macht uns neu.

Unser Leben ist ein kostbarer Wertstoff, von Gott geliebt.

Elisabeth Humpert