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Weihnachten 2023

Taufe des Herrn (07.01) - Gedanken zu Mk 1,7-11

In diesem Evangelium von der Taufe Jesu wird von einer merkwürdigen Begegnung zwischen Jesus und Johannes berichtet. Johannes hält eine Predigt, in der er jemanden ankündigt, der nach ihm kommen solle. Während er mit Wasser taufe, werde jener mit dem Heiligen Geist taufen. Und genau in diesen Tagen kommt Jesus zu ihm an den Jordan und lässt sich von Johannes taufen – mit Wasser. Dieses Mal predigt Johannes nicht. Es ist die Stimme aus dem Himmel, die das Ereignis deutet: Du bist mein geliebter Sohn! Johannes predigt und tauft, die Stimme aus dem Himmel spricht. Jesus lässt es einfach geschehen. Er deutet nicht, was sich da abspielt. Dazu kommt: Es ist gar nicht klar, wer die Stimme aus dem Himmel hört. Vielleicht hört sie nur Jesus selbst.
Jesus hält sonst viele Reden, hier hält er sich zurück. Die Umstehenden bemerken vielleicht gar nichts. Uns als Hörerinnen und Hörer dieser Geschichte lässt das ein bisschen ratlos zurück. Was soll das bedeuten? Warum wird nicht für alle offenbar, was Jesus zuteilwird? Warum äußert sich Jesus nicht bei dieser Wassertaufe durch Johannes, von dem ja viele meinen, dieser selbst sei der Messias? In diese Leerstellen hinein ist ein Auftrag an uns gelegt. Vielleicht sind diese ganzen Fragen, die sich uns da stellen, genau das richtige Signal am Ende der Weihnachtszeit. Wir sollen uns selbst noch einmal fragen: Was heißt das, Gott ist Mensch geworden, irgendwo in einem weltgeschichtlich fast unbedeutenden Ort? Was heißt das: Jesus lässt sich wie alle anderen von Johannes im Wasser taufen? Was bedeutet es, dass das Wirken Gottes mitunter nicht erkannt werden kann? Auch wenn Jesus bei der Taufe im Jordan schweigt und auf eine Deutung verzichtet, später hat er sich häufiger über Johannes und sein Wirken geäußert. Er schätzt Johannes offenbar sehr. Er ordnet ihn im großen Heilsplan Gottes ein. Er identifiziert ihn mit dem Boten, der am Ende des Maleachibuches den Weg bereitet (Lk 7,27; Mal 3,1). Hier am Jordan spielt sich auch für Jesus Großes ab! Weiter sagt Jesus im Lukasevangelium: „Unter den von einer Frau Geborenen gibt es keinen Größeren als Johannes.“ Aber er schränkt auch ein: „... doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er“ (Lk 7,28). Irgendwie läuft das mit Gottes Wirken ganz anders als gedacht. Wer Jesus und seine Botschaft verstehen will, wer Johannes und seine Taufe erfahren will, der muss sich von vielen Vorstellungen lösen. Die Erwartungshaltung der Menschen ist es, die Jesus durchbricht. Er fragt: Was wolltet ihr denn sehen, als ihr zu Johannes gegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? (vgl. Lk 7,24). Fein und geschmeidig kommt das Wirken Gottes nicht daher. Jesus schweigt bei seiner Taufe und wir müssen uns noch einmal fragen: Was erwarten wir eigentlich, wenn wir Gottes Spuren in der Welt suchen, wenn wir sein Wirken erleben wollen? Das Fest der Taufe des Herrn ist heilsam, weil sich die Begegnung mit dem Gottessohn nun ohne große Feierlichkeiten bewähren muss: im ganz normalen Leben.

Alois Balint
Erscheinung des Herrn (06.01) - Gedanken zu Mt 2,1-12

Träumen Sie manchmal davon, alles stehen und liegen zu lassen und sich einfach auf den Weg zu machen? Nach irgendwo, einfach vom Alltag weg, der uns wieder einmal nach Weihnachtstagen und Neujahr einholte. So schön die Vorstellung von einem Abenteuer oder Neuanfang auch sein mag, ich stelle mir das eher schwierig vor: ohne einen konkreten Plan, Budget und Ziel sich auf den Weg zu machen und alles hinter sich zu lassen. Eigentlich ist das für die meisten von uns, wegen Verpflichtungen, die wir durchs Leben tragen, gar nicht machbar. Wenn wir uns aber einige biblische Biografien anschauen, hat Gott einige Personen dazu aufgefordert: von Abraham angefangen, durch Mose und das Volk Israel, dann einige Propheten bis zu den drei Sterndeutern aus dem Osten, deren Weg bis nach Betlehem zu Jesus führte. All diese Geschichten möchten uns auf einen eher geistlichen Weg hinweisen. Wenn wir uns auf den Weg des Glaubens einlassen und wie die drei Sterndeuter aus dem Osten auf der Suche bleiben, Gott Vertrauen schenken, dann können wir sicher sein, dass Gott uns den richtigen Weg finden lässt, der zu ihm führt und uns mit Frieden und Freude erfüllt. Dieser Weg ist oft mit einigen Sackgassen verbunden, sogar mit Umleitungen ist zu rechnen; wenn wir aber nicht aufgeben und uns hoffnungsvoll führen lassen, dann kommen wir bestimmt ans Ziel unseres Lebens. Wir können die drei Sterndeuter und gleichzeitig auch uns „Pilger der Hoffnung“ nennen. Papst Franziskus, in einer Predigt zum heutigem Fest, sagte: „Die Reise des Lebens und der Weg des Glaubens benötigen Sehnsucht, inneren Schwung.“ Fragen wir uns: Wie steht es um die Reise meines Glaubens? (...) Um aufzubrechen und neu zu beginnen, muss der Glaube durch die Sehnsucht entzündet werden, sich auf das Abenteuer einer lebendigen und starken Beziehung zu Gott einlassen. Aber ist mein Herz noch von der Sehnsucht nach Gott beseelt? Oder lasse ich sie durch Gewohnheit und Enttäuschungen erlöschen? Heute ist der Tag, um uns diese Fragen zu stellen. Heute ist der Tag, um die Sehnsucht wieder zu befeuern (www.vaticannews.va).
Ein wertvolles Zeichen für uns sind die Sternsinger, die sich jedes Jahr mit brennendem Eifer und einem konkreten Anliegen auf den Weg machen. Sie bringen den Menschen Neujahrssegen und setzen sich für einen guten Zweck ein. Diesmal lautet das Motto der Aktion „Gemeinsam für unsere Erde – in Amazonien und weltweit“ und stellt die Bewahrung der Schöpfung und den respektvollen Umgang mit Mensch und Natur in den Vordergrund. Dadurch sind die Sternsinger ein Zeichen der Hoffnung und ermöglichen vielen Kindern weltweit, dass ihre Träume wahr werden.

Alois Balint
Neujahr - Hochfest der Gottesmutter Maria (01.01.24) - Gedanken zu Num 6,22-27

„Ein gutes Neues“, „einen guten Rutsch“, „komm gut rüber“ – so oder so ähnlich hören und sagen wir in diesen Tagen gute Wünsche für das neue Jahr. Häufig tun wir das, ohne viel darüber nachzudenken. Dabei sind solche guten Wünsche ja nicht nur Worte, sondern doch ein Zeichen dafür, dass uns etwas aneinander liegt. Es ist mir nicht egal, was aus dem oder aus der anderen wird - und ich darf mir auch sagen lassen: Du liegst anderen Menschen am Herzen. Es lohnt sich also, gute Wünsche nicht zur inhaltsleeren Formel werden zu lassen, sondern bewusst und bedacht einander etwas Gutes zu wünschen. Die Reihe der Lesungen in unserem Gottesdienst beginnt an diesem Neujahrstag ebenfalls mit einem guten Wunsch, mit einem besonderen Wunsch des Segens Gottes, der sich in dieser Form unter der Bezeichnung „Aaronitischer Segen“ in der Tradition des Christentums fest etabliert hat. 
Die Lesung beginnt mit der Aufforderung an Mose – und über Mose weitergegeben an Aaron und an alle, die mit ihm und nach ihm den priesterlichen Dienst im Volk Israel ausüben – die Menschen zu segnen. Gott fordert Menschen auf, einander den Segen zuzusprechen. Dabei ist es doch Gott allein, der segnet. Er weiß aber, wie wichtig es für uns Menschen ist, gesagt zu bekommen: Du bist in Gottes Augen wertvoll. Er meint es gut mit dir. Gott weiß, dass es uns guttut und hilft, immer wieder gesagt zu bekommen, was zum Kern seiner Beziehung zu uns gehört: nämlich Liebe und Zuwendung. Was hier einer bestimmten Gruppe im Volk Israel gesagt wird, wird heute uns allen gesagt. Als getaufte Menschen dürfen wir uns als königliche, prophetische und priesterliche Menschen verstehen. Was also Gottes Auftrag an die Priester des Volkes Israel ist, das ist sein Auftrag an uns alle: Segnet! Wer sich das bewusst macht, merkt schnell, dass es sich nicht nur lohnt, gute Wünsche bewusst auszusprechen, sondern dass es sich ebenso lohnt, aus dem „guten neuen Jahr“ ein „gesegnetes neues Jahr“ werden zu lassen – immer in dem Wissen, dass wir hier etwas wünschen, was wir nicht selbst tun, sondern was von Gott an uns getan wird. Was das bedeutet und beinhaltet, entfaltet der aaronitische Segen in drei Doppelwünschen und wird noch deutlicher von der Bedeutung der hebräischen Worte ausgehend.
Der Herr segne dich.
Im Hebräischen steht hier der Gottesname JAHWE. Er ist den Juden so kostbar, dass sie ihn aus Ehrfurcht nie aussprechen. In der Erzählung vom brennenden Dornbusch wird dieser Name so gedeutet: „Ich werde für euch da sein!“ Was ist das für eine tolle Aussage: Auf diesen Gott können wir unser Leben bauen. Von diesem Gott kommt unser Leben her. Er ist uns in Liebe zugetan. Mit ihm, mit seiner Kraft und Hilfe kann unser Leben gelingen.
Der Herr behüte uns.
Das bedeutet, er möge uns beschützen vor allem, was das Leben und die Lebendigkeit bedroht. Man mag an Gefahren denken, an Krankheit, an Katastrophen, aber auch an innere Nöte, an Enttäuschungen und Misserfolge, kurz an alles, was das Leben einschränkt, ihm Lebensqualität nimmt oder es sogar unmöglich macht.
Gott wird uns nicht vor jedem Leid bewahren. Aber er wird gerade in schweren Stunden bei uns sein, er wird uns niemals im Stich lassen.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten.
Gott soll nicht nur gegenwärtig sein, sondern uns Menschen das auch spüren und erfahren lassen. Das Antlitz steht für seine uns zugewandte Gegenwart, das Leuchten dafür, dass wir diese Gegenwart sehen und spüren, so wie das Licht ja auch sichtbar und seine Wärme spürbar ist.
Ich bin sicher: es gibt in unserem Leben immer wieder Ereignisse, in denen Gottes Nähe und Gegenwart spürbar und erfahrbar wird. Gewiss, äußerlich betrachtet scheinen es Zufälle zu sein. Wir dürfen aber in solchen Zufällen Gottes Fügungen erkennen.
Der Herr sei dir gnädig.
Gnade- das ist ein schwieriges Wort. Was meint es? Gott ist uns voller Sympathie und Liebe zugewandt. Gott ist kein strenger Richter, der uns verurteilt. Er ist freundlich, uns Menschen zugetan. Er versteht unsere Fehler, er versteht unsere Zweifel, unsere Fragen. Er ist ein Gott voller Erbarmen mit uns schwachen Menschen. Sein Wohlwollen, seine Zuwendung ist schon immer da, längst bevor wir sie merken, längst bevor wir sie glauben können.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu.
Das heißt zunächst ganz einfach: Er richtet seinen Blick auf dich. Wenn ein Mensch sich uns zuwendet, uns anhört, uns zu verstehen sucht, mitkriegt, wie es uns im Tiefsten zumute ist – das tut uns in der tiefsten Seele gut. Genauso wendet uns Gott sein Angesicht zu. Er sieht uns, er kennt uns, er weiß um unsere Nöte, er kennt unsere Sorgen, Und er weiß um unsere Sehnsucht nach dem Guten. Diese Welt ist nicht ein Spielball unberechenbarer Mächte, die wir fürchten müssen, oder menschlicher Bosheit oder gar ein Spiel blinden Zufalls. Es ist Gottes Welt, die er mit gütigem Antlitz ansieht. Seine Güte ist das Herz aller Dinge.  
Der Herr schenke dir Frieden.
Ja, natürlich denken wir an die Ukraine, an das Heilige Land, an Kriegs - und Krisengebiete, Bürgerkrieg und Unfrieden in vielen Gegenden der Welt. Ja, natürlich denken wir an Streit und Unfrieden in unseren Familien und unserem Umfeld. Im Hebräischen steht hier das Wort „Schalom“. Und das ist mehr als nur „Frieden“. Damit ist ein umfassendes Wohlergehen gemeint: Frieden, Heil, Zufriedenheit, Glück und Erfüllung. Mehr kann ein Wunsch nicht beinhalten. 
Wenn wir so darüber nachdenken, was in diesen wenigen Worten steckt, wird uns klar: In diesen Segensworten steckt ein Bild von Gott und uns Menschen, das uns daran erinnert, wer Gott ist, was er für uns Menschen will, wie wichtig ihm die Beziehung zu uns ist und was er tut, um uns nahezukommen. So ist dieser Segen heute sicher nicht nur ein guter Wunsch, sondern auch so etwas wie eine Überschrift über dieses neue Jahr. Eine Überschrift, die uns ermutigt, das neue Jahr bewusst mit Gott zu beginnen und mit ihm zu gehen – und andere dabei zu ermutigen und zu bestärken. Und schließlich werden wir ermutigt und beauftragt, diesen Segen immer und immer wieder zu sprechen und an Menschen weiterzugeben. Denn in dieser Handlung, im Sprechen und Weitergeben des Segens wirkt Gott selbst und verändert damit unser Leben.

Karl Zirmer
Fest der Hl. Familie (31.12) - Gedanken zu Lk 2,22-40

Heute hören wir, wie die Eltern Josef und Maria, das jüdische Ritual nach der Geburt ihres erstgeborenen Sohnes im Tempel vollziehen. Sie erfüllen die Thora. Zwei betagte Menschen, Simeon und Hanna, begegnen dabei dem Kind und verkünden prophetisch den Weg Jesu und Mariens. Lukas beschreibt die Lebendigkeit und die Beziehungen der Personen von Jung und Alt. Er betont, dass der Hl. Geist auf dem greisen Simeon ruht. Der Geist öffnet ihm die Augen für das große Geschehen: er erkennt im Kind den Messias, das „Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit seines Volkes Israel“. Er spricht auch das österliche Geheimnis an, das mit dem „Schwert des Schmerzes“ verbunden ist, und das Maria besonders treffen wird. Die beiden betagten Persönlichkeiten werden als Mitglieder des Gottesvolkes Israel gezeichnet, die gerecht und gläubig leben. Obwohl Jung und Alt nicht blutsverwandt sind, gehören sie, die sich im Tempel treffen, intensiv zusammen. Was sie verbindet ist das geisterfüllte Leben aus dem Gesetz und das gläubige Vertrauen in Gottes Führung. – Ein Vorbild für das Zusammenleben der Generationen heute. Das Leben in Nazareth war ein Leben aus der Liebe und dem Glauben. Dazu gehörte der Synagogenbesuch am Sabbat. In der Heiligen Familie wurde sicher eine gläubige Erzähltradition gepflegt. Josef und Maria ergänzten die Worte, die in der Synagoge aus der großen Heilsgeschichte des jüdischen Volkes verkündet wurden: Gottes Wirken von großen gläubigen Gestalten wie König David, von Hanna, der Mutter des Samuel, von Abraham und Sara. Als Gebete wurden die Psalmen gesprochen. Wir können heute nicht mehr so selbstverständlich beten wie die früheren Generationen. Gemeinsames Beten in der Familie ist seltener und schwieriger geworden. Der Generationenunterschied wird in diesem Punkt heute stärker erlebt wie früher. Die jungen Leute orientieren sich mehr an der Gesellschaft als an dem, was sie in der Familie gesehen haben. Wir müssen uns fragen: Wie können wir in der Familie von Gott reden, wie können wir heute miteinander beten? Mutter Theresa legt uns ans Herz: "Bringt das Gebet in Eure Familien hinein, denn eine Familie die betet, die hält auch zusammen!" Über die religiöse Entwicklung des Kleinkindes wissen wir, dass es wichtig ist, Vater und Mutter auch betend zu erleben. Da erfährt das Kind, dass sich die Eltern, die so groß, gut und mächtig sind, vor einem noch Größeren, vor Gott hinstellen und Frieden finden aus der Beziehung zu Ihm. Mit Kindern beten nimmt verschiedene Gestalt an: Geformte Gebete, Reimgebete, Spontane Gebete, Tagesrückblick mit Dank und Bitte. Eine unverzichtbare Hilfe für den Glauben in der Familie ist der Sonntag als Tag des Herrn und Tag der Familie. Das heißt, miteinander etwas unternehmen, spielen, erzählen Dabei sollen die Kinder erfahren können, dass es den Eltern beim Gottesdienst und dem Feiern des Kirchenjahres nicht um die Pflichterfüllung geht, sondern um eine Kraftquelle, die aus der Mitte des Glaubens herausströmt. Wenn sich in manchen Familien heftige Debatten zum Sonntagsgottesdienst entzünden, dann kann das wertvoll sein. Die Heranwachsenden wollen ernstgenommen werden in ihrem Denken. Oft wollen junge Leute dabei nur demonstrieren, dass sie sich von der elterlichen Autorität ablösen. Für Eltern braucht es das überzeugte Vorangehen, gute Hörbereitschaft, Geduld, Klugheit und Warten-Können. Erzwingen lässt sich nichts. Ziel bleibt die eigene freie Entscheidung des jungen Menschen für Gott und für ein Leben mit der Kirche. 

Stefan Máté
Weihnachten (25.12.) Gloria in excelsis Deo

Ein wenig müde vielleicht sitzen wir am Weihnachtstag hier. Eindrücke und Momente von gestern Abend gehen uns durch den Kopf, und wir fragen uns: Was hat dieser Heiligabend uns gebracht? Und wohin sollen wir das zerknüllte Geschenkpapier entsorgen? Womit hat uns das Christkind beschert? Oder ist diese Frage übertrieben? Ist er „in echt“ für uns geboren? Oder tun wir nur so, als ob er sich bei uns, in mir und in der Welt seine zweite Heimat gewählt hat? Wir könnten auch meinen: Weihnachten „geht immer“, dieses Fest ist ein Selbstläufer. Manche behaupten sogar: Weihnachten ist so unentbehrlich und für unsere Gesellschaft so nützlich; Weihnachten würde es selbst dann noch geben, wenn die Kirche nichts mehr zu melden hätte in unserer Gesellschaft. Aber das Christfest verlangt deine und meine Fantasie und Gestaltungskraft, auch heute, am eigentlichen Weihnachtstag, wo die meisten Geschenke vorsichtig ausgepackt oder hastig aufgerissen wurden, wo diese sonderbare Nacht bereits wieder hinter uns liegt und für manche Zeitgenossen das Fest bereits wieder „abgefeiert“ ist. Das scheinbar unverwüstliche Fest hat es schwer. Wie kann ein Kindergeburtstag, der mehr als zweitausend Jahre zurückliegt, uns heute noch Freude machen? Vor genau 800 Jahren hatte ein Mensch eine geniale Idee. Giovanni Bernardone, genannt der Franzose, Franceso, einem Diakon mitten in Italien, gelang das, wovon wir Prediger nur träumen. Er machte die Weihnacht lebendig und spielte das Geheimnis der Menschwerdung Gottes so wunderbar menschlich nach: Franziskus von Assisi „erfand“ in der Nacht zum 25. Dezember 1223 in Grecchio die Weihnacht neu. Das Jubiläum der durch Franziskus „geretteten“ Weihnacht feiern wir in diesem Jahr: genau 800 Jahren. Ohne diese Innovation gäbe es vielleicht unsere Krippen und Krippenspiele gar nicht. Ich erinnere daran angesichts eines solchen feierlich-abstrakten Evangeliums, den Anfang des Johannesevangeliums, den wir eben gehört haben und in dem wir das vermissen, was wir mit Weihnachten verbinden und was Franziskus damals aufleben ließ. Es ist ein bisschen wie ein Hymnus, dessen Melodie verloren ging und neu erfunden werden müsste. Genau das tat Franziskus in einem kleinen Bergdorf mitten in Italien. Man könnte sagen: Ein Jahrtausend lang war die Weihnachtsbotschaft in der feierlichen Botschaft des Johannesprologs verborgen. Die nackte Wahrheit der Heiligen Nacht ist also bei Johannes wie in goldglänzendes, prächtiges Geschenkpapier verpackt: „Gott von Gott, Licht vom Lichte, etc.“ sagen wir im Credo … und wer versteht das? Oh ja, die Kirche liebt große Worte zu verlieren. Franziskus brachte uns die erdfarbenen Seiten dieses Geheimnisses zurück, das Armselige und Animalische, den Zauber des ohnmächtigen Kindes und die Nacht von Betlehem. Entschuldigung, aber an dieser Feier brauche ich keine neoplatonische oder sonst welche griechische Philosophie… Weihnachten ist so wunderbar sinnlich, ja fast materiell, für uns sind es Tannenbaum und Geschenke, Kerzen und Sterne, Gewürzplätzchen und Deko; für Franziskus war es das nachgespielte Geheimnis der göttlichen Annäherung, er war überwältigt von der Winzigkeit der Gottesgegenwart: so ausgesetzt an der Peripherie der Welt, der Geruch und das Blöken von Schafen, das Stroh im Trog und die leuchtenden Augen der Dorfbewohner.Was können wir mit diesem Fest heute anfangen? Wie die Hirten, die keine Zeit hatten, Weihnachtsgeschenke zu besorgen, bringen wir in dieses Gotteshaus nur uns und unser Stochern im Nebel, unser Suchen und Fragen vor dem Geheimnis, das dieses Fest umgibt. Wenn ich den oft „zu Tode gehörten und gepredigten“ Weihnachtsevangelien des Lukas und des Johannes nachspüre, dann bleiben Fragen offen: Gott, warum lässt du dich auf das Abenteuer der Menschwerdung ein und stürzt dich in den Strudel unserer Zeit? Denn vergessen wir nicht: Gott ist seit Weihnachten unser Zeitgenosse und wir sind Zeitgenossen Christi! Wenn das stimmt, was wir heute feiern, dann können wir mit Ihm Nahgespräche führen. Wo kommst du eigentlich her? Und warum suchst du dir als „Landebahn“ den Schoß eines Mädchens aus der Provinz und ein Erdloch aus? Was bringt es dir und uns? Musstest du dich so in das Räderwerk dieser krisenhaften Erde hineinverwickeln lassen? Wie schaffst du es, auf dem seltsamen Weg deiner Fleischwerdung unsere schrottreife und kaputte Welt zu reparieren? Konntest du uns nicht anders deine Liebe schenken als mit dieser extravaganten Niederkunft? Nein, ich mag den flapsigen Spruch nicht: „Mach’s wie Gott, werde Mensch!“ Das hört sich so kinderleicht an. Dieses: „Mach was aus dir!“ Gott macht aus sich etwas zutiefst Menschliches, tödlich Verwundbares, leicht Übersehbares. Es ist alles andere als banal, dass Gott es ausgerechnet in meiner Nähe aushält und mich umarmt, auch wenn ich nicht gut rieche; dass er mein durchschnittliches Leben teilen möchte und es ihm nicht zu langweilig wird, mir auf den gewöhnlichen Alltagswegen zu folgen, Auge in Auge. Es ist kaum zu glauben, dass Gott so gerne klein ist, wo ich so liebend gerne groß dastehen möchte. Weihnachten kann ich eigentlich nur feiern, wenn ich mich „erlösungsbedürftig“ erfahre, und wenn es mir gelingt, aus dem Weihnachts-lied nur eine Kleinigkeit herauszupicken, die mir zu leben hilft. Im Weihnachtsevangelium steht, dass plötzlich Engel den Hirten erschienen. Jede Menge Engel-Deko sehen wir zurzeit überall. Schon als Kind habe ich mir gern die Vorstellung übernommen: Es sind keine Engel, die nur so einfach rumstehen, es sind Engel-Chöre. Sie musizieren, sie singen. Aber steht es so im Evangelium? Na ja…. da lesen wir: Das große himmlische Heer der Engel lobt Gott und spricht: „Ehre sei Gott“ (Lk 2,13). Weihnachtsgottesdienste ohne Gesang – wer hätte sich das je vorstellen können? Kürzlich, während der Corona-Pandemie, mussten wir leider aufs Singen verzichten. Da, vor drei Jahren, konnte sich eine andere Erfahrung einstellen. Da haben Menschen entdeckt: Unseren Leib als Klangkörper – den spüren wir nicht nur beim Sprechen oder Singen. Noch wieder anders können wir sogar in Schwingung geraten, wenn wir Melodien summen, mit geschlossenem Mund. Beim Summen – nein, da bleibt uns das Lied nicht in der Kehle stecken! Beim stillen Summen werden wir selbst Resonanz, durch und durch. Anders als sonst gehen uns da die Ohren auf. Beim Summen hören wir intensiver, nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen. Gucken wir uns ein berühmtes Weihnachtslied näher an: „O, du fröhliche!“. Am Ende jeder der drei Strophen lädt sie ein: „Freue, freue dich o Christenheit!“ (GL 238). Dieser Schluss-Vers setzt oben ein, ganz oben, beim höchsten Ton des Gesangs. Dort, in den Höhen Gottes, beginnt die Bewegung, steigt dann hinab in die Niederungen unseres menschlichen Lebens, in seine Tiefe. Diese Tonleiter voller Entzücken – wenn ich sie jetzt vorsumme, klingt sie so: … Versuchen wir es dann alle zusammen: … Kommen sie, machen Sie mit, der Chor an der Empore wird es uns nicht übelnehmen…Warum wir das machen? So können wir sie uns vielleicht besser vergegenwärtigen, diese Menschwerdung. Ja, das feiern wir miteinander: Die Begegnung von Gott und Mensch. Sehen Sie: Trotz der vielen Süßigkeiten und Festessen sättigt Weihnachten nicht, sondern macht Appetit darauf, Größeres zu erhoffen. Dazu können eine wohl vorbereitete Liturgie und festliche Musik beitragen. Setz also nie einen Punkt, wo Gott ein Komma macht. Gesegnete Weihnachten!

 Alois Balint