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Ökumenischer Kehler Adventskalender 2020

30. November  (Alois Balint, kath. Kirchengemeinde)

 

Hier finden Sie den Link zum Video: "Wachet auf!" ruft uns die Stimme

 

Ein altes Lied aus dem 16. Jahrhundert begleitet uns in der Adventszeit: „Wachet auf, ruft uns die Stimme!“ (im Gotteslob GL 554 und im Ev. Gesangbuch EG 147). Das Lied bezieht sich auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt 25,1–13) das wir zwei Wochen vor dem Adventsanfang in unseren Kirchen gehört haben. Für die Beliebtheit des Liedes sprechen die vielen theologischen Neudichtungen im Laufe der Jahrhunderte. Darüber gibt es viele Kommentare und biblische Auslegungen. Seltener spricht man aber über die Musik. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf eine wunderbare Bearbeitung von Johann S. Bach in einem Choralvorspiel für Orgel (BWV 645, einer der sog. sechs „Schübler-Choräle“) aus dem Jahr 1747.

Das, was wir vom Anfang an hören, ist eigentlich „nur“ die Orgel-Begleitung: die ruckartige und unruhige melodische Linie „zeigt“, lässt verstehen die Höhen und Tiefen unserer Lebenswege, das Seufzen unserer Sehnsucht. Ganz souverän kommt langsam und punktuell die eigentliche Choral-Melodie - cantus firmus - (in der Aufnahme hier mit der Flötenstimme): Sie ist ruhig und hell, sie gibt gewiss Orientierung und strahlt Zuversicht.

Oft nutzt Bach in seiner Musik diese Rhetorik. Sie ist von der Theologie des Johannes inspiriert. Es handelt sich um die Spannung zwischen den „Kindern dieser Welt“ und den „Kindern des Lichts“. Es ist manchmal eine Gnade, die Musik von Bach auch mit dem Herzen zu hören. Ansonsten klingt sie einfach „schön“ oder „interessant“. Wer aber auch die Theologie, die dahintersteckt, entdeckt, der wird reich beschenkt und geführt in die Tiefe des Textes und der Botschaft: Wach, offen, im spirituellen „Standby“, empfangsbereit für die rettende Gnade zu bleiben.